Miete richtig verhandeln (1): Definieren Sie Ihre Verhandlungsposition

Während einige Interessenten das Handeln im Blut haben (das bedeutet nicht, dass sie es auch können), akzeptieren andere nahezu jeden Preis, wenn ihnen eine Wohnung gefällt.

In der Serie „richtig verhandlen“ gebe ich Ihnen Hinweise, wie Sie bei Verhandlungen des Miet- oder Kaufpreises erfolgreich sind.
Auf keinen Fall aber sollten Sie so in die Verhandlung einsteigen:

„Kann man an dem Preis noch etwas machen?“

Dieser abgedroschene Spruch begegnet mir etwa drei Mal pro Woche. Beginnen Sie so, signalisieren Sie dem Gegenüber sofort, dass Sie keine Ahnung von Verhandlungsführung haben.

Wenn ich gute Laune habe, entgegne ich dem Interessenten:
„Zu welchem Preis möchten Sie denn verbindlich mieten (bzw. kaufen)“, wenn ich keine gute Laune habe antworte ich: „NEIN“.

Tipps und Tricks für die WohnungssucheErstaunlicherweise sind die Gesprächspartner bei beiden Antworten überrascht.

Warum?

Weil sie unüberlegt nebenher in Verhandlungen einsteigen ohne das Ziel definiert zu haben.

Wenn Sie in eine Verhandlung einsteigen sollten Sie ein Ziel vor Augen haben. 

Sie setzen sich ja auch nicht einfach ins Auto und fahren los ins Blaue –  falls doch wird sich Ihre Lieblingstankstelle bei Ihnen bedanken. Für die Verhandlung mit dem Immobilienprofi oder mit dem Privatvermieter heißt das Folgendes:

Machen Sie sich Gedanken über Ihre Preisvorstellung, bzw. über Ihre Vorstellung, wie der Deal als Ganzes aussehen soll.

Ein Mietgeschäft beinhaltet verschiedene Komponenten, die verhandelbar sind.

–  Kaltmiete
–  Einzugstermin
–  Mietkaution
–  Maklercourtage (seit 1.Juni 2015 für den Mieter nicht mehr zu zahlen)
–  Renovierungsmaßnahmen
–  Stellplatz/ Tiefgarage

Überlegen Sie, ob ein Monat mietfrei vor dem Einzug eventuell vorteilhafter wäre, als 10 EUR weniger Kaltmiete zu bezahlen. In diesem Fall verhandeln Sie den Einzugstermin, nicht die Kaltmiete.

Unterstellen wir, Ihre die Kaltmiete Ihrer Wohnung ist 600 EUR. Ein Monat mietfrei erspart Ihnen also 600 EUR. Sofort – also in einer Zeit, in der durch den Umzug sowieso zahlreiche Kosten auf Sie zukommen.

Wenn der Vermieter/Makler 20 EUR bei der Kaltmiete nachlässt, rechnet sich dies für Sie erst nach 2,5 Jahren; aber nur, wenn Sie dann noch in der Wohnung wohnen.

Oft definiert sich die eigene Position auch einfach daran, wieviel Sie monatlich in die Miete oder einmalig in den Umzug investieren bzw. bezahlen möchten. Das Portemonnaie definiert somit Ihre Position fest. Dies hat den Vorteil, dass Sie sich nicht um die anderen Nachfrager oder den „fairen Preis“ sorgen müssen.

Dennoch sollten Sie dies zu Beginn der Verhandlungen, evtl. sogar vor der Besichtigung durchgerechnet haben.

Ich wiederhole das Fazit: Beginnen Sie Verhandlungen niemals beiläufig. Setzen Sie sich ein Ziel, auf das Sie mit Ihren Verhandlungsbemühungen hinarbeiten.

In der nächsten Folge von „richtig verhandeln“ werde erkläre ich Ihnen, wie Sie Ihre Erfolgschancen vor der Verhandlung richtig einschätzen.

… oder gleich zum dritten Beitrag der Reihe: „So drücken Sie den Preis der Immobilie“ springen?

…Hier gelangen Sie zu einem Beitrag über Verhandlungsführung beim Immobilienkauf! 


Über den Autor
Richard Nitzsche ist Immobilienmakler und Experte im Mietmarkt. Er schreibt u.a. regelmäßig für die Wochenzeitung  Frankfurter Stadtkurier
. Sein Ratgeber für Mieter auf Wohnungssuche,
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