Immer Ärger mit dem bösen Vermieter

Täglich erreichen mich einige Zuschriften von Lesern dieses Blogs. Knapp die Hälfte aller Fragen beginnen mit „Darf ich“ oder „der Vermieter darf doch nicht“.

Dies nehme ich nun zum Anlass, um die ganz besondere Beziehung zwischen Mietern und Vermietern zu beleuchten. In meiner Karriere habe ich nun schon hunderte Vermieter kennen gelernt und sicher mit tausenden Mietinteressenten (und Mietern) in Besichtigungen gesprochen.

Hier zeichnet sich ein klares Feindbild ab. Viele Mieter sehen den (aktuellen oder auch kommenden ) Vermieter klar als ihren Feind. Der Vermieter spürt diese Aversion natürlich. Dementsprechend ungern nähert er sich Mietern…

Ein Glück für uns, die (allseits verhassten) Makler. Allein das Schlichten zwischen den „Kriegsgegnern“ spülte uns am Monatsende stets ein hübsches Sümmchen aufs Geschäftskonto. (Lesen Sie hier, welche Änderungen sich mit dem Bestellerprinzip ab Juni ergeben). Aber nicht nur die Makler profitierten. Mieter sind gern gesehene Klienten bei Rechtsanwälten und Mieterschutzverbänden. Sie sind dankbare Wähler verschiedener Parteien, die ihnen Linderung von dem ach so großen Übel des „Mieterseins“ versprechen. Artikel der Bildzeitung über „was darf ich als Mieter“,  „was darf der Vermieter nicht“ und „was hat der böse Vermieter getan“ werden tausendfach geteilt.

Spätestens nach dem letzten Absatz sollte Ihnen als Mieter klar sein: Hier wird Stimmung gemacht. Insbesondere negative Stimmung lässt sich nämlich hervorragend verkaufen.

Nun verrate ich Ihnen etwas Neues:

Der Vermieter ist nicht Ihr Feind!  

Hoffentlich habe ich gerade nicht Ihr Weltbild zerstört.

Als Makler sehe ich beide Seiten. Nahezu niemals will der Vermieter seinem Mieter etwas Böses (ohne vorher gegangene Provokation des Mieters). Unterm Strich ziehen Sie nämlich beide an einem Strang: Der Vermieter möchte den Wert seiner Immobilie erhalten, Sie wollen qualitativ hochwertig wohnen.

Welchen Grund hätte ein Vermieter bspw. einen tropfenden Wasserhahn nicht zu reparieren?

Erstaunlicherweise häufen sich in einigen Wohnungen die Probleme, während Mieter in anderen Wohnungen (des selben Vermieters, im selben Haus) über Jahre nichts zu bemängeln haben.

Ich habe Verständnis für jeden Mieter, der für seine Miete auch eine entsprechende Gegenleistung bekommen möchte. Dies ist Ihr Recht! Aber ich verstehe auch den Vermieter, der auf NEIN schaltet, wenn der selbe Wasserhahn zum dritten Mal in einem Monat tropft.

Die oben erwähnte oft an mich oft gestellte Frage „WAS DARF ICH“ ist nach meiner Meinung einfach falsch gestellt.
Sie signalisiert, dass der Mieter sein Recht um jeden Preis durchsetzen will. Sie signalisiert Aggressivität und Hass auf den bösen Vermieter.

Fragen Sie besser: Was kann ich tun um…? Sprechen Sie doch einfach miteinander, bevor Sie sich in teure Rechtsstreitigkeiten begeben. Eine Vielzahl von Problemen könnten Sie nämlich lösen, wenn Sie einfach auf einander eingehen und sich um einen Konsens bemühen. Fragen Sie den Vermieter nach den Gründen seiner Position.

Wenn Sie miteinander sprechen kommen Sie auch viel schneller zu einer Lösung, als wenn Sie erst Ihren Anwalt, im nächsten Schritt Gerichte bemühen und das zwischenmenschliche Verhältnis mit Ihrem Vermieter vorüber ist.

Auch als Mieter ist es nämlich gesetzlich nicht verboten, zu Ihren Mitmenschen nett zu sein. Und der Vermieter ist auch nur ein Mensch.

Folgen Sie Mietercoach auf Facebook und Twitter um aktuelle Infos zu erhalten!