Immobilienmakler: Der Mieter ist nicht mehr der König

Mit neuem Selbstvertrauen präsentierte sich die Maklerbranche vergangenen Mittwoch auf der jährlichen Sprengnetter-Innovationstagung. 420 Immobilienmakler verfolgten im hessischen Fulda Fachvorträge über die aktuellen Herausforderungen des Immobilienmarktes. Der sogenannte „Einkauf“, also die Auftragsakquise, beschäftigt Makler in Zeiten knappen Angebotes und hoher Nachfrage – um so mehr, weil die meisten Vermittler nach der Einführung des Bestellerprinzips das Vermietungsgeschäft einstellen oder signifikant reduzieren mussten.

Sven Johns von Mosler+Partner Rechtsanwälte betrachtet die Maklerflucht aus dem Segment Mieten als Affektreaktion auf das einschneidende, wie auch lücken- und fehlerhaft strukturierte  Gesetz.  Er rät den Maklern, sich als den einseitigen Interessenvertreter zu begreifen, zu dem sie das Bestellerprinzip degradiert.

„Welches Interesse des Mieters wollen Sie noch vertreten, wenn Sie von Ihm kein Geld mehr bekommen?“, fragt er in die Runde, „Der Mieter ist nicht mehr Ihr König, Ihr König ist jetzt der Vermieter.“

(Ich hatte bereits im Januar 2015 in meiner Analyse des Bestellerprinzips auf derartige Folgen hingewiesen.)

Maklerprovision: Bestellerprinzip bald auch bei Verkäufen

Mit Blick nach Berlin beobachtet Johns erste Planungen und Vorstöße von Politikern, das Bestellerprinzip auch bei Verkäufen zu implementieren. In diesem Fall müsste der Verkäufer die Maklerprovision bezahlen. Die Immobilienmakler sollten sich schon jetzt mit Option einer Neuregelung und Provisionsmodellen, die die Maklercourtage als Innenprovision abbilden, befassen.

Im folgenden Vortrag präsentierte Andreas Kischkel von Kischkel Immobilien sein durchaus erfolgreiches Geschäftsmodell. Er arbeitet seit Jahren ausschließlich mit der Maßgabe „Innenprovision bei Verkäufen“. Kaufinteressenten müssen sich bei Ihm über ein mehrstufiges Auswahlverfahren für eine Besichtigung qualifizieren.

Immobilienmakler fordern Sach- und Fachkundenachweis

Einigkeit herrscht bei der Forderung eines Sach- und Fachkundenachweises für Immobilienmakler, um die sogenannten „schwarzen Schafe“ endlich aus den Reihen der seriösen Vermittler zu verbannen.

Peter Schürrer von schürrer-fleischer-immobilien möchte nicht länger mit dem Goldkettchen-tragendenden, fokuhila-geschnittenen und nach Zigarettenrauch duftenden Küchentischmakler über einen Kamm geschert werden.

Die Branche müsse endlich „seriös“ auftreten.

Für viele Immobilienmakler auf der Sprengnetter-Tagung entbehren die von der Politik diskutierten Maßnahmen an Strahlkraft, auch weil das Projekt Fach- und Sachkundenachweis in Berlin derzeit wieder auf Eis liegt. Hier wünschen sich die Makler noch mehr Qualifikation, auch fordern sie Optionen der Honorarregelung für Beratungsleistungen im Bereich Immobilien, analog der Beratungsvergütungen von Anwälten oder Steuerbratern.