Wohnungssuche für Alleinerziehende: Tipps und Hilfen damit Mütter und Väter mit Kind trotzdem eine neue Wohnung finden

Alleinerziehend auf Wohnungssuche: Tipps und Hilfen um eine neue Wohnung zu finden

Die Wohnungssuche ist für Alleinerziehende besonders schwer. Durch Arbeitslosigkeit, Hilfe von Amt, Unterstützung vom Jobcenter oder sogar Hartz4, wird das Finden und Mieten einer neuen Wohnung besonders in Großstädten wie Berlin, München oder Köln für Alleinerziehende zu einem fast hoffnungslosen Unterfangen. Geförderter Wohnraum, umgangssprachlich „Sozialwohnungen“ ist rar, wird nach Dringlichkeit vergeben und zunächst benötigen Sie einen Wohnberechtigungsschein vom Wohnungsamt (WBS)*.
Im folgenden Beitrag habe ich Tipps, Hilfen und Infos für Alleinerziehende auf Wohnungssuche zusammengestellt, damit Ihre selbstständige Suche nach einer neuen Wohnung zur Miete (ohne Wohnberechtigungsschein) doch zum Erfolg führt.

Ein Überblick zu den wichtigsten Tipps für Alleinerziehende auf Wohnungssuche:

1. Immobiliensuche: Die richtigen Wohnungen anfragen und besichtigen
2. Vermietersuche: Zielstrebig Vermieter suchen, die Alleinerziehende akzeptieren
3. Eckparameter definieren: Budget und Einzugstermin
4. Verhalten in der Besichtigung und Kommunikation: Vorurteile abbauen, sympathisch auftreten
5. Der Kompromiss zum Erfolg: Machen Sie Abstriche bei Ausstattung, Lage oder Zustand der Immobilie
6. NOT TO DOs: Diese Fehler schießen Sie ins Aus

1. Immobiliensuche: Konzentrieren Sie sich auf die richtigen Wohnungen

Häufig verfügen Alleinerziehende über ein eingeschränktes Budget. Kindererziehung kostet Zeit, deshalb arbeiten Eltern oft nur halbtags – entsprechend weniger Geld steht für die Miete zur Verfügung. Auf der Suche nach einem Kompromiss zwischen Geldbeutel und Lage fragen Alleinerziehende oft 2-Zimmer-Wohnungen an. Derartige Anfragen sind bei Vermietern und Maklern nicht gern gesehen. Der Verzicht auf ein Wohnzimmer im Tausch gegen zwei Schlafzimmer erscheint der Vermieterseite befremdlich. Oft ist der Schnitt der Wohnungen ungeeignet, bspw. wenn ein Durchgangszimmer existiert. Vermieter vermuten, dass die Mieter rasch wieder ausziehen würden, oder es zu Spannungen im Mietverhältnis kommt. Deshalb werden Anfragen von Alleinerziehenden für 2-Zimmer-Wohnungen selten berücksichtigt.

Konzentrieren Sie sich auf 3-Zimmer-Wohnungen.

Konzentrieren Sie sich auf Anzeigen von Privatanbietern und schwergängige Objekte von Maklern

Konzentrieren Sie Ihre Suche auf Anzeigen „von Privat“. Makler werden (heute) dafür bezahlt, dass sie dem Vermieter top-Mieter abliefern. Das bedeutet bonitätsstarke Mieter mit geringem Risiko für Komplikationen im Mietverhältnis jeglicher Art. Sie werden die Risikogruppe „Alleinerziehende“ nur dann berücksichtigen, wenn kein anderer Mieter gefunden werden kann. Dies erkennen Sie, wenn Objekte vergleichsweise lange (länger als 4 Wochen) im Internetportal angeboten werden.

Wir eine Wohnung „von Privat“ offeriert, interagieren Sie direkt mit dem Entscheider. Hier ist die Chance größer, direkt in die Besichtigung und später ins Mietverhältnis zu gelangen. Vermieter, die Wohnungen selbst anbieten, sind tendenziell eher zu Kompromissen bereit – auch weil die Mietersuche für „Nicht-Profis“ eine wirklich aufreibende Angelegenheit sein kann, die sie zügig beenden möchten.

Infografik: Vorurteile gegen Alleinerziehende auf Wohnungssuche
Dies sind die gängigsten Vorurteile und Bedenken von Vermietern im Hinblick auf allein erziehende Mieter. Versuchen Sie, bei der persönlichen Interaktion entgegen zu wirken.

2. Zügig die Vermieter finden, der allein erziehende Mieter akzeptiert

Gehen Sie offen mit Ihrer Situation um. Viele Vermieter werden andere Mietergruppen bevorzugen. Laut einer Immobilienscout-Studie haben nur Wohngemeinschaften noch größere Probleme, ein passendes Objekt zu finden. Die meisten Vermieter bevorzugen Singles, Paare oder das traditionelle Familienmodell. Ihre Aufgabe ist es nun, aus dem Pool aller Vermieter in Ihrer Gegend die Anbieter möglichst zügig zu isolieren, die Alleinerziehende akzeptieren. Wenn sie Objekte auf Immobilienportalen anfragen, schreiben Sie dies als erstes. Sie werden oft vom Anbieter keine oder negative Antworten erhalten, aber zumindest haben Sie dann keine unnötige Zeit in Besichtigungsterminen verschwendet. Betonen Sie darüber hinaus Ihre Vorzüge, bspw. ein bereits lange andauerndes Beschäftigungsverhältnis:

Beispiel für die Formulierung einer Online-Anfrage: „Für mich (43) und meine Tochter (15) suche ich zum 1.10.20… eine neue Wohnung. Ich bin seit 17 Jahren im öffentlichen Dienst bei der Stadt München tätig.“ 

Existieren Telefonnummern in den Anzeigen, suchen Sie zunächst den telefonischen Kontakt und klären Sie, ob Sie Chancen haben. Dies gilt natürlich insbesondere, wenn Sie Inserate in Tageszeitungen abtelefonieren. Hier sind Ihre Chancen auf Erfolg aus meiner Sicht übrigens am größten, denn im Zeitalter des Internets ist die Anfragehäufigkeit bei Anzeigen in Zeitungen und Anzeigenblättern deutlich gesunken.

3. Budget und Einzugstermin

Definieren Sie vor der Suche klar Ihr Budget und Ihren Einzugstermin. Häufig hilft es, wenn Sie eine Wohnung sofort, per nächsten Ersten übernehmen können. Aber Vorsicht: Eine voreilige Kündigung Ihres alten Mietverhältnisses kann teuer werden. Der richtigen Kündigung habe ich in meinem Ratgeber für die Wohnungssuche eine ganze Passage gewidmet.

Bleiben Sie bei der Suche in Ihrem Budgetrahmen. Akzeptieren Sie den vom Anbieter aufgerufenen Preis. Handeln wird in Ihrer Situation wahrscheinlich nicht funktionieren. Schließen Sie vorweg zu teure Angebote aus und erweitern Sie statt dessen Ihren Suchradius auf die Randgebiete, in denen die Mieten günstiger werden.

4. Besichtigung und Kommunikation: Verbindlich, ehrlich und sympathisch 

Ein sympathisches und angenehmes Auftreten in der Besichtigung ist Ihr Schlüssel zum Erfolg. Versuchen Sie zu klären, ob Sie in einer Sammelbesichtigung oder zu einem Einzeltermin eingeladen werden. Ist Ihr Kind in einem Alter, in dem es auffallen oder stören könnte (Anbieter oder andere Teilnehmer der Besichtigung), kommen Sie zunächst allein. Treffen Sie sich allein mit dem Vermieter oder dem Makler schmälert es ihre Chancen nicht, wenn Sie ihren Sprössling mitnehmen – kinderliebe Vermieter und Anbieter freuen sich sogar oft darüber und Sie erhalten Sympathie-Pluspunkte.

Erfolg bei der Wohnungssuche ist kein Geheimnis
Bleiben Sie ehrlich und machen Sie Zusagen, an die sie sich später halten. Versuchen Sie im Gespräch den Vermieterwillen bezüglich Einzugs-, Übergabe und Mietmodalitäten zu erfahren und richten Sie sich danach: Der Vermieter möchte die Kaution in Cash – kein Problem. Sie erhalten die Wohnung unrenoviert? Auch kein Problem. Vermutlich können Sie morgen den Mietvertrag unterschreiben und Ihr Problem der Wohnungssuche ist mit einem Eimer Farbe und einem Wochenende zusätzlichem Zeitaufwand gelöst.

5. Der Kompromiss führt zum Erfolg

Gehen Sie Kompromisse ein. Die Nachfrage mitten in der Stadt nach Wohnungen zur Miete ist am höchsten, insbesondere wenn die Angebote günstig bepreist sind. Ihre Chance auf Erfolg ist hier sogar als Top-Mieter eingeschränkt. Je weiter Sie sich vom Zentrum des Ballungsgebietes entfernen, umso geringer wird die Nachfrage, damit steigen Ihre Chancen auch als Alleinerziehende/er wieder an. Und mal ehrlich: wenn Sie eine halbe Stunde oder 40 Minuten Bahnfahrt in Kauf nehmen kommen Sie schon ziemlich weit nach draußen. Sehen Sie nach London oder New York. Hier sind diese Wege ganz normal (und es beschweren sich tendenziell weniger Menschen als in Deutschland über die hohen Mietpreise). Möchten Sie keine Abstriche in der Lage machen, Spielen Sie am Faktor Qualität und nehmen Sie den Farbpinsel selbst in die Hand. Besorgen Sie sich selbst eine gute, gebrauchte Einbauküche und sorgen Sie für den Einbau. Auch Laminatverlegen ist kein Hexenwerk. Auch unliebsame Gerüche können das Objekt für andere Mieter uninteressant machen und die Mietersuche für den Vermieter erschweren, sodass er sich schließlich für Sie entscheidet.

Achten Sie lediglich immer darauf, ob die Substanz des Gebäudes (Heizung, Fenster, Rohrleitungen, Elektrik) in Ordnung ist. Hier können Sie als Mieter im Mietverhältnis nur eingeschränkt Einfluss nehmen.

6. NOT-TO-DOs 

Auf keinen Fall sollten sie bereits verhandelte und getroffene Zusagen rückgängig machen oder nachverhandeln. Ein Klassiker, der mir (im übrigen nicht nur bei Alleinerziehenden) oft begegnet ist die Nachverhandlung des Einzugstermins. Zunächst bekräftigt man den Einzug zum nächsten ersten. In der Zeitbesichtigung oder schlimmstenfalls bei der Unterzeichnung möchte der Mieter dann doch zum 15. des Folgemonats oder sogar einen Monat später einziehen.
Lassen Sie keine Zweifel an Ihrer Finanzkraft zurück. Selbst wenn Sie mietrechtlich berechtigt sind, die Kaution in Raten zu bezahlen, sprechen Sie Themen wie dieses nicht von sich aus an und versuchen Sie, diese zu vermeiden.
Auch wenn Sie von anderen Vermietern abgewiesen wurden, lästern oder beschweren Sie sich nicht über Ihre Erfahrungen sondern bleiben Sie stets positiv – ist auch besser für Ihre eigene Stimmung.

Mehr zur erfolgreichen Wohnungssuche erfahren Sie in meinem Ratgeber „Der Mietercoach“. Sie können das Buch für 9,50 EUR auf amazon.de bestellen oder auf Ihr Kindle/ iPad herunterladen.

*zum Thema geförderter Wohnraum und Wohnberechtigungsschein (WBS) wird hier demnächst ein Beitrag veröffentlicht.

Grafik: mietercoach.de 

Zum Autor:
Richard Nitzsche ist Immobilienmakler in Frankfurt und München.
Richard Nitzsche schreibt für die Wochenzeitung Frankfurter Stadtkurier eine Marktkolumne und publiziert auf dem Blog mietercoach.de seit 2014 Tipps, Infos und Wissenswertes zum Thema Mieten, Immobilien und Wohnungssuche.