Vermieter hat kein Recht auf Fotos: Fotografieren einer vermieteten Wohnung ist nur mit Zustimmung des Mieters erlaubt, ABER…

Vermieter hat kein Recht auf Fotos einer vermieteten Wohnung: Fotografieren ist nur mit Zustimmung des Mieters erlaubt

Vermieter, der Makler oder Interessenten in der Besichtigung wollen Fotos Ihrer Wohnung machen? Sie müssen Fotoaufnahmen ihrer Wohnung nicht dulden! Das Mietrecht schützt den Mieter. Die Rechtslage will verhindern, dass Wohnungseinrichtungen oder persönliche Gegenstände ohne Willen des Mieters den Weg ins Internet finden.  Wenn Sie sich aber bei der Nachmietersuche quer stellen, müssen Sie mit den Konsequenzen leben… 

Für Mieter wird es nach der Kündigung ihrer Wohnung ungemütlich, denn sie müssen bei der Nachmietersuche mit der Vermieterseite kooperieren. Während der dreimonatigen Kündigungsfrist ergeben sich eine Vielzahl von Reibungspunkten, die Konflikte verursachen: Das Fotografieren der noch bewohnten Wohnung ist ein häufiger Anlass für Unstimmigkeiten zwischen noch-Mietern und Vermietern oder Maklern.

Mietrecht hilft dem Mieter: Fotografieren nur mit Zustimmung des Mieters erlaubt! 

Zur Rechtslage: Die Vermieterseite hat kein Fotografierrecht in Ihrer Wohnung. Hier zitiert der Deutsche Mieterbund bspw. das Urteil des Amtsgerichts Frankfurt 33 C 2515/97-67, wonach keine Lichtbildaufnahmen ohne ausdrückliche Mieterzustimmung angefertigt werden dürfen. Natürlich haben Sie in Ihrer Wohnung Hausrecht und ein Recht auf Privatsphäre. Sie dürfen Fotoaufnahmen verbieten und machen sich dadurch allein nicht schadensersatzpflichtig.

Tipps und Tricks für die Wohnungssuche

Mietersorgen: Einbruch, Diebstahl, gestörte Privatsphäre 

In meiner täglichen Berufspraxis als Immobilienmakler in Frankfurt und München begegnen mir regelmäßig Mieter mit gekündigten Mietverhältnissen, die nicht möchten, dass ich ihre Wohnung fotografiere. Die Gründe sind durchaus nachvollziehbar: Sie fürchten sich vor Einbrüchen, Diebstahl oder möchten ihr Inventar nicht allgemein zugänglich im Internetportal verewigt sehen.

Sie erlauben keine Fotos? Das kostet den Makler Zeit und Nerven und den Vermieter schlimmstenfalls bares Geld! 

Dem Mieter sollte aber bewusst sein, dass er den Vermarktungsprozess der Wohnung, also den Prozess der Mietersuche, durch eine Verweigerung von Fotoaufnahmen einschränkt und aktiv behindert. Im Unterschied zur medial kommunizierten Meinung stehen bei der überwiegenden Mehrheit der Immobilien die mietwilligen Interessenten nicht in Hundertschaften an und warten auf ihr Vertragsangebot – die Vermieterseite muss Mieter proaktiv suchen und um sie werben. Hierfür ist das Immobilienportal der wichtigste Kanal und dieser lebt vom Lichtbild (und neuerdings auch virtuellen Rundgängen).

Ohne Fotos wird es für die Vermieterseite richtig schwer! 

Ist bis zum Auszug des gekündigten Mieters kein Anschlussmieter gefunden, verliert der Vermieter unweigerlich Geld. Insbesondere die ersten beiden Monate Ihrer Kündigung sind interessant, hier kann am ehesten ein Anschlussmieter gefunden werden, denn auch einziehende Mieter müssen häufig Kündigungsfristen beachten.

Sie stellen sich trotzdem quer? Leben Sie mit den Konsequenzen! 

Verweigern Sie als Mieter Ihre Kooperation bei den Fotoaufnahmen, können Sie sich dem Ärger der Vermieterseite sicher sein. Der Vermieter befürchtet Verdienstausfall, dem Makler erschweren Sie die Arbeit. Zudem machen Sie sich selbst das Leben schwer, denn wenn ohne Fotoaufnahmen inseriert wird, sinkt die Treffgenauigkeit – es müssen tendenziell mehr Besichtigungen abgeleistet werden.

Bei der Übergabe, bei der Kautionsrückzahlung: Unkooperatives Verhalten kann sich rächen… 

Bedenken Sie unbedingt, dass Sie sowohl mit dem Vermieter, als auch mit dem Makler spätestens bei der Rücknahme der Wohnung wieder konfrontiert werden. Hier rächt sich, wenn Sie im Vorfeld umkooperativ waren, denn bei Wohungsrücknahmen und der Abwicklung von Mietverhältnissen ergeben sich nicht selten eine Vielzahl von Interpretationsspielräumen:

Handelt es sich bei dem Kratzer um Abnutzung oder Beschädigung? Waren Sie im Vorfeld umkooperativ, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Makler den Kratzer als Beschädigung erkennt.

Erstens, weil er Sie nicht mag und Sie ihm die Arbeit erschwert haben. Vielleicht unprofessionell, aber menschlich. Zweitens, weil er von der Vermieterseite die Anweisung bekommen haben könnte, genau hinzusehen. Der Mietausfall soll eventuell durch Ihre Kaution kompensiert werden. Natürlich können Sie den gesamten Sachverhalt rechtlich prüfen lassen, dann freut sich besonders der Anwalt des Mieterbundes…

Suchen Sie gemeinsam nach Lösungen… 

Zeigen Sie sich besser kooperativ und suchen Sie nach Lösungen. Ich darf mich wiederholen: Die Vermieterseite kann es nachvollziehen, wenn Sie Teile Ihres Inventars nicht im Internet wiederfinden möchten und sich vor Einbrechern fürchten. Denken Sie im Vorfeld des Fototermins genau nach: Welche Räume kann ich zeigen, welche Einstellungen sollen keinesfalls aufgenommen werden. Sicher finden Sie einen Kompromiss, der für beide Parteien funktioniert.

Kennen Sie Ihre Foto-Sorgen schon bei Einzug? Bitten Sie den Vermieter/ Makler, direkt hübsche Fotos der leeren Wohnung zu machen und diese zu archivieren. Fotos von leeren Räumen eigenen sich für die Mietersuche im Regelfall sowieso besser. Lassen Sie sich Kopien geben oder fertigen Sie selbst Aufnahmen an, die Sie dem Vermieter zur Verfügung stellen können. Kooperieren bedeutet nicht, alles möglich zu machen, sondern gemeinsam einen Weg zu finden, mit dem jeder leben kann.

Richard Nitzsche ist Immobilienmakler in Frankfurt und MünchenDer Autor: Richard Nitzsche ist Immobilienmakler in Frankfurt und München, Autor des Blogs mietercoach.de und Verfasser  des Ratgebers für Mieter auf Wohnungssuche „Der Mietercoach: Ihre neue Wohnung SUCHEN – FINDEN -BEKOMMEN“ . Er publiziert zudem eine wöchentliche Immobilienmarktkolumne für den Frankfurter Stadtkurier. Schreiben Sie Ihm auf Twitter oder Facebook!