Wohnimmobilien: Asylkrise verunsichert Investoren

Asylkrise Immobilieninvestoren verunsichert

Die zum Zerreißen gespannte Stimmung in Berlin überträgt sich auch auf den Wohnungsmarkt. Immobilieninvestoren beobachten die Zerwürfnisse zwischen den Unionsparteien mit Sorge. Selbst wenn es Union und Koalition gelungen ist, die aktuellen Probleme der Asylkrise zu lösen, bekämpft sie damit doch nur die Symptome einer Allianz aus CDU und CSU, die sich inhaltlich und in ihren Überzeugungen immer weiter entfremdet. Die Spekulationen um ein kurz- oder mittelfristiges Auseinanderbrechen der Unionsparteien beschäftigen Anleger, die in Wohnimmobilien investiert sind.

CDU und CSU bald bundesweit wählbar?

CDU und CSU könnten bei kommenden Bundestagswahlen bundesweit antreten. Der umfassende Bruch der Schwesterparteien wurde in den letzten Wochen von Journalisten heiß diskutiert. Regierungsbündnisse links der Mitte unter Führung der Christdemokraten wären dann wahrscheinliche Koalitionsszenarien. Gift für Eigentümer und Investoren mit langfristigen Renditeerwartungen.

Richard Nitzsche ist Immobilienmakler in Frankfurt und München
Richard Nitzsche

„Als Immobilienmakler spreche ich täglich mit Großvermietern und Privatinvestoren. Seit geraumer Zeit trübt sich deren Investitionslaune spürbar ein.  Besonders argwöhnisch verfolgen Anleger Deutschlands politische Zukunft als Investitionsstandort. Das jüngste Gerangel der Unionsparteien im Asylkonflikt bereitet Anlass zur Sorge um eine Aufsplitterung von CDU und CSU.. Vermieter evaluieren aktuell ihre Kreditportfolien und prüfen häufiger die Veräußerung ihrer Bestände. Der große Run auf die Kapitalanlage ist vorbei. Investitionen in die Wohnimmobilie erscheinen derzeit weniger attraktiv, als noch vor wenigen Monaten.“

Die Zukunft ihrer Investitionen hinge dann möglicherweise von einer Linkspartei ab, die sich gegen die Renditeerzielung mit Wohninvestments ausspricht und Hausbesetzer in Schutz nimmt. Eine Einstellung, die auch den Grünen nicht fremd ist. Sie wollten schon in ihrem jüngsten Wahlprogramm Spekulationsgewinne mit Wohninvestments unterbinden.

Die Sozialdemokraten, als traditionelle Partei der Mieter, sprechen sich für eine Stärkung der Mieterrechte aus. Für Eigentümer haben Vorschläge der SPD grundsätzlich kostspielige Folgen.  Gerade hat die Union den Referentenentwurf für die neue, verschärfte Mietpreisbremse blockiert. Er ginge laut Mietrechtsexperte der CDU „weit über das hinaus, was CDU/CSU und SPD verabredet haben“. Ohne die stützenden Stimmen der CSU verlöre die grundsätzlich investitionsfreundlichere Politik der CDU an Gewicht.

Immobilienmarkt: Zeichen der Trendwende werden deutlich

Die Erwartung steigender Zinsen und der allmählich Stocken geratende Mietmarkt in den Metropolen nehmen bereits heute realen Einfluss auf Investitionsentscheidungen. Obgleich sich Verkaufspreise noch auf Spitzenlevel halten, sinken die Transaktionsvolumina. Die Investition in Wohnimmobilien verliert an Attraktivität.  Großinvestoren konzentrieren sich auf Gewerbeinvestments oder schielen auf die Immobilienmärkte anderer Länder. Aber auch Privatinvestoren, die wenige Eigentumswohnungen besitzen, signalisieren Maklern häufiger ihre Verkaufsabsicht. Sie verkaufen morgen zu einem Preis, der womöglich heute höher gewesen wäre, denn auch Käufer kennen politische und ökonomische Szenarien und korrigieren ihre Budgets in Erwartung der derzeit steigenden Risiken.

Der Beitrag erscheint am 10.07.2018 im MainhattanKurier.  

 Der Autor:  Richard Nitzsche ist seit 2012 Immobilienmakler in Frankfurt und München, Autor des Blogs http://www.mietercoach.de und Verfasser  des Ratgebers für Mieter auf Wohnungssuche „Der Mietercoach: Ihre neue Wohnung SUCHEN – FINDEN -BEKOMMEN“ . Er publiziert außerdem eine wöchentliche Immobilienmarktkolumne für den Mainhattan Kurier. Schreiben Sie Ihm auf Twitter oder Facebook