Wahlkampf-Wahnsinn: Mieten-Demo in Frankfurt

Tausende haben am Samstagmittag in der Frankfurter Innenstadt „Gegen den Mietenwahnsinn“ und für bezahlbares Wohnen demonstriert. In Ballungszentren fehlen Wohnungen. Kaltmieten steigen. „Es ist fünf nach Zwölf“, meint Gert Reeh vom Mieterbund Hessen, „Wenn nicht endlich etwas passiert, ist der soziale Frieden nicht mehr gewährleistet.“ Das Problem sei längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Mieter müssten oft mehr als die Hälfte ihrer Einkünfte für die Miete ausgeben.  

 

Mietenwahnsinn: Wahlkampfendspurt vor der hessischen Landtagswahl

Eine Woche vor der hessischen Landtagswahl wollten die zum großen Teil linkspolitisch motivierten Demonstranten ein Zeichen setzen. Die Partei „DieLinke“ rückte mit Vertreten aus diversen hessischen Regionalverbänden an. Der Ortsverband der Linken aus Wiesbaden forderte „Leerstand beschlagnahmen! Spekulanten enteignen!“ und bezog sich auf ein konkretes Wohnhochhaus im Wiesbadener Westend, das derzeit „zu Spekulationszwecken leer stehe.“ Präsenz zeigte auch die Piratenpartei, sowie einige Gruppen, die dem linksextremen Flügel zugeordnet werden.
Mietenwahnsinn: Demo gegen Wohnungsnot und hohe Mieten in Frankfurt
Nur vereinzelt mischten sich tatsächliche Betroffene unter die Demonstranten; beispielsweise die Frankfurter Nachbarschaftsinitiative NordendBornheimOstend. Die überparteiliche Initiative visualisierte die Sorgen und Nöte von langjährigen Mietern auch während der Abschlusskundgebung plakativ durch einen Vortrag der „Mieterin Inge“. Inge sei „eine von Ihnen“. Sie sei besorgt wegen steigender Mieten ihr Zuhause zu verlieren – nach 45 Arbeitsjahren, einer zweiten Ausbildung zur Bürokauffrau und einer Karriere in der Gewerkschaft.  

Tipps und Tricks für die WohnungssucheMieterverbände beklagen den Mangel an Wohnungen. Die Demonstranten forderten, jeder solle unabhängig des Einkommens dort leben können, wo er sich wohl fühle. Sie sehen das „Menschenrecht auf Wohnen“ nicht länger gewährleistet. In Frankfurt werden Verträge zwischen Vermietern und Mietern nicht auf Augenhöhe geschlossen, sonden vom Eigentümer gesetzt. Frankfurt sei ein vom Vermieter diktierter Mietmarkt, meint Rolf Janßen, Geschäftsführer des Frankfurter Mieterschutzvereins e.V., „Vermieter führen sich auf, wie der Fuchs im Hühnerstall.“

Immobilieninvestoren als Sündenbock

Etliche Demonstranten gingen auf Immobilieninvestoren und Akteure der Wohnungswirtschaft los. Die Wohnungsgesellschaften hätten Mietern die Wohnung „weggenommen“. Diese Wohnungen hole man sich jetzt zurück, ätzt eine junge Frau auf der Hauptwache ins Mikrofon.  

Mietenwahnsinn: Plakat Demonstration Keine Profite mit der MieteDie Texte auf den Plakaten zeigen dabei die Strahlkraft des Unreflektierten: „Vonovia enteignen“, „besetzen!“ oder „Miethaie konsequent abschieben“, „keine Rendite mit der Miete“. Es sind Plakate, die deutlich machen, dass die Teilnehmer der Samstagsdemonstration volkswirtschaftliche Zusammenhänge nicht verstehen können und wollen. Schuld an der ganzen Misere sei das Kapital.Viele junge Leute finden sich in den Reihen der Demonstranten, Mieten-Demo in Frankfurt: Studenten demonstrieren gegen Miethaie für bezahlbare Wohnungenzahlreiche Studenten – sie sind auch aus Marburg angereist. An diesem Samstagmittag kann ich selbst erleben, wie sich ein Teil der Bildungselite
unseres Landes von populistischen Parolen einlullen lässt. Studenten gehören zu den Mietern, die die Wohnungssuche mit großen Herausforderungen konfrontiert. Geblendet vom eigenen Problem ignorierten sie ihre Fähigkeit des reflektierten Hinterfragens und grölen mit dem bildungsfernen Mob im Duett. Ich bin betroffen.

Der Autor:  Richard Nitzsche ist seit 2012 Immobilienmakler in Frankfurt und München, Autor des Blogs http://www.mietercoach.de und Verfasser  des Ratgebers für Mieter auf Wohnungssuche „Der Mietercoach: Ihre neue Wohnung SUCHEN – FINDEN -BEKOMMEN“ . Er publiziert eine wöchentliche Immobilienmarktkolumne für den Mainhattan Kurier und ist regelmäßig als Experte für Immobilienthemen in den Medien präsent. Schreiben Sie Ihm auf Twitter oder Facebook