Steigende Mieten in Frankfurt, Berlin und München: Gentrifizierung unvermeidlich? 

Immobilien und Mieten: Gentrifizierung unvermeidlich?

Während die Mieten in Frankfurt, Berlin, München und anderen Großstädten immer weiter steigen, bangen Altmieter um ihr Zuhause. Verständlich – Eigentümer könnten ihre Wohnungen deutlich teurer vermieten, besonders wenn sie aufwändige Sanierungsmaßnahmen durchführen. Verkommen deutsche Innenstädte zu „Ghettos der Reichen“, die die ursprünglichen Mieter schrittweise verdrängen? Lässt sich diese sogenannte Gentrifizierung noch stoppen? 

Tipps und Tricks für die WohnungssucheMit allen Mitteln versuchen Mieter die für sie Besorgnis erregende Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt aufzuhalten: Wohnraum ist knapp, die Mieten steigen weiter – und kein Ende in Sicht. „Die Rallye ist noch nicht vorbei“, prognostiziert der Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Immoconcept Bernd Lorenz für die Stadt Frankfurt. Auch in München, Berlin oder Köln und Düsseldorf steigen die Mieten, auch wenn sich die Dynamik des Preisanstieges in der jüngsten Vergangenheit etwas abgeschwächt hat. Dagegen helfen auch Demonstrationen, Bürgerinitiativen, Klagen oder Hausbesetzungen nicht. Wirkungslose Aktionen Mieter gegen das übermächtige Kapital. Ein Kampf, der anmutete wie das Gefecht von David gegen Goliath.

Frankfurt: Auch Millieuschutz rettet Altmieter nicht! 

Gentrifizierung: Vertreiben die steigenden Mieten Altmieter aus den Innenstädten?
Mieter demonstrieren in Frankfurt gegen die Vertreibung aus den zentralen Lagen. „Wohnen für alle“, ist ihre Devise aber vor allem „Gegen das Kapital“.

Die Sorge vor steigenden Mieten, zum Beispiel als Folge von Sanierungsmaßnahmen in den Wohnhäusern, gehört für Mieter zum Alltag. Bezahlbarer Wohnraum wird als soziale Frage zu dem Thema der Lokalpolitik, doch mit mehr als gutgemeinten Bekundungen können Politiker die Mieter dann häufig doch nicht unterstützen: Kürzlich wurde das Mietshaus in der Adalbertstraße 11 an einen Investor veräußert. Der neue Eigentümer wird die Mieten der Altmieter vermutlich erhöhen. Trotz Millieuschutz wollte Baudezernent Jan Schneider (CDU) das Vorkaufsrecht der Stadt nicht anwenden. „Wir werden die Ausübung des Vorkaufsrechts nicht zum Regelfall machen können.“ Bei eineinhalbtausend Transaktionen im Jahr würde Frankfurt schnell an seine Grenzen stoßen.

Altmieter werden von wohlhabenden Neumietern verdrängt

An ihre Grenzen stoßen auch Altmieter, wenn die Mieten steigen. Schon heute müssen sich viele Mieter nach günstigeren Wohnungen umsehen – zum Beispiel wenn sie aus dem aktiven Berufsleben in den Ruhestand wechseln und sich eine Einkommenslücke auftut. Günstigere Wohnungen finden sie dann in der Peripherie, draußen auf dem Land in der Wetterau, in Richtung Gelnhausen oder im Hintertaunus. Die Soziologie beschreibt den Auszug aus dem Heimatviertel mit dem Terminus „Gentrifizierung“. Altmieter werden von wohlhabenderen Mietern aus ihren Stadtvierteln verdrängt.

Gentrifizierung unvermeidlich? 

Es wird wohl Zeit, sich in den deutschen Großstädten mit der Gentrifizierung abzufinden. „Wir müssen uns davon verabschieden, dass Berlin für alle bezahlbar bleibt“, meint auch Dr. Carl Brückner vom Eigentümerverband Haus und Grund in einem Interview mit dem Tagesspiegel. Ideologie und Realität liegen häufig weit auseinander. Knappe Flächen und hohe Nachfrage müssen zwangsläufig zu steigenden Preisen führen.

Mieter sollten politische Parolen, Augenwischerei und Wahlwerbung hinterfragen. Gerade die Parteien, die am Stärksten auf bezahlbares Wohnen drängen, fordern gleichzeitig einen höheren Mindestlohn – ungeachtet dessen, dass die Kosten für Wohnen weiter steigen, wenn Handwerkerrechnungen teurer werden. Bauunternehmer Christoph Gröner, bekannt für seine deutlichen Worte, schreibt in einem Kommentar: „Es gibt kein Recht auf günstiges Wohnen in der Innenstadt. Egal wie streng wir Mieten und Immobilienpreise regulieren wollen – wir können die Gentrifizierung nur verlangsamen und möglichst sozialverträglich gestalten, aber nicht stoppen. Am Ende werden in den Innenstädten immer diejenigen wohnen, die das meiste Geld haben. Langfristig wäre es ein Zeichen der Ehrlichkeit, wenn die Politik das auch so zugeben würde.“

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