Corona-Alltag: Immobilienmarkt auf der Suche nach neuer Normalität / Immobilien-Themen (KW13 & 14/2020)

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Nach drei Wochen lähmenden Schocks befindet sich der Immobilienmarkt aktuell auf der Suche nach einer alternativen Normalität. So wie sich die deutsche Bevölkerung mit der neuen Situation durch das Coronavirus abgefunden hat, so passen sich auch die Marktteilnehmer am Immobilienmarkt den aktuellen Gegebenheiten an: Immobilienexperten und Medien berichten diese Woche über womöglich kurzfristig fallende Immobilienpreise. Gleichzeitig refreshen Kaufinteressenten jedoch ihre Kaufofferten: Etliche Kapitalanleger signalisierten in der KW13 anhaltende Kaufbereitschaft, hoffen vor dem Hintergrund der Nachrichtenlage auf Schnäppchen. Auch Verkäufer kehren in den Markt zurück. Verkaufsprojekte im Sekundärmarkt, die bei Corona-Ausbruch vorläufig gestoppt wurden, sollen nun zeitnah wieder aufgenommen werden. Auch Vermieter wünschen sich vermehrt, dass die Vermarktungsbemühungen für zwischenzeitlich ausgesetzte Mietobjekte weitergeführt werden.


Die gefürchtete Ausgangssperre wurde nicht umgesetzt-  Wohnungsbesichtigungen mit wenigen Teilnehmern steht grundsätzlich nichts im Wege, sofern Interessenten, Makler und Vermieter bereit sind, das potenzielle Ansteckungsrisiko in Kauf zu nehmen. 

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Mietenmoratorium belastet Eigentümer

Das in der KW13 verabschiedete Mietenmoratorium beschäftigt Vermieter. Die ersten Mieter haben bereits reagiert und die Miete gekürzt, nachdem deren Arbeitgeber Kurzarbeit angemeldet hatte. Aber nicht nur die Eigentümerseite, auch das Justizministerium ist im Nachgang der blitzartigen Verabschiedung des Gesetzes erneut mit dessen Folgen befasst.  Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) hatte wohl nicht vorhergesehen, dass auch Großunternehmen wie Adidas, H&M oder Deichmann die Mietkürzungen für sich in Anspruch nehmen könnten. Wenn jetzt finanzstarke Unternehmen einfach ihre Mieten nicht mehr zahlen, ist dies unanständig und nicht akzeptabel“, zitiert der Tagesspiegel die sozialdemokartische Justizministerin. Ob den Unternehmen die Rechtsgrundlage für die vorläufige Einbehalltung der Mietzahlung fehlt, oder diese einfach ihre vom Gesetzgeber eingeräumten Rechte im Zuge einer Gleichbehandlung sämtlicher Rechtssubjekte wahrnehmen, müssen im Zweifel Gerichte klären. Eine Entscheidung zugunsten der zweiten Option scheint wahrscheinlich. 

Die Mietzahlungen stunden zu müssen könne insbesondere kleinere Vermieter hart treffen, meint Prof. Michael Voigtländer (IW Köln) in einem Interview mit der Tagesschau, „22 Prozent der Vermieter liegen sogar unter dem Einkommensdurchschnitt.“ Wer seine Mietimmobilie erst vor kurzem gekauft habe, sei auf die entsprechend hohe Mietzahlung zur Finanzierungstilgung zudem angewiesen. Voigtländer beobachtet zudem ein abnehmendes Kauf- und Mietinteresse im Gesamtmarkt.

Risiko Ausgangssperre & Quarantäne: Virtuelle Besichtigung im Trend

Die potenzielle Einführung von Ausgangssperren oder Bewegungszonen bleibt insbesondere für kleinere Immobilienunternehmen ein kurzfristiges Risiko – ebenso die Quarantäne. Um derer vorzubeugen, bemühen sich Maklerunternehmen, den Kundenkontakt weitestgehend zu reduzieren. Die virtuelle Livebesichitgung kommt hierbei zum Einsatz. Für Konzepte mit umfangreicher  Professionalisierung bleibt aufgrund der akuten Situation kaum Zeit – so werden die Tests zum „Training on the Job.“ Darauf reagieren auch Seminaranbieter. Die Immobilienakademie Sprengnetter schaltet diese Woche Werbung für ein Live-Webinar, in dem gegen Bezahlung einer stolzen Vergütung in 60 Minuten die Grundlagen der (Live-)videopräsentation mit dem Handy erläutert werden. 

Coronakrise: Volkswirte erwarten fallende Immobilienpreise

Weitere Meldungen der KW 13

Mieter erhalten Anspruch auf Ladestationen für E-Fahrzeuge

Das Bundeskabinett hat diese Woche eine Reform des Wohnungseigentumsgesetzes verabschiedet, wonach Mieter einen Rechtsanspruch auf Ladestationen für Elektrofahrzeuge gesichert werden solle.  


Umsatz von Airbnb eingebrochen 

Die Coronakrise hat zu einem dramatischen Buchungsrückgang bei Airbnb geführt. Das Handelsblatt berichtet, in der zweiten Märzwoche seinen „so viele Stornierungen aufgepoppt wie zuvor in zehn Jahren nicht.“ Der für 2020 geplante Börsengang des Techunternehemens sei in Gefahr. 

Mietenmoratorium verabschiedet: Entlastungen für Mieter, Mietausfall für Eigentümer

Im Rahmen der umfangreichen Rettungspakete haben Bundeskabinett und Bundestag Entlastungen für Mieter in der Coronakrise beschlossen. Wohn- und Gewerbemieter, die von Verdienst oder Umsatzausfällen im Zuge des Coronavirus betroffen sind, können Mietzahlungen für einen zeitlich befristeten Rahmen zurückbehalten. Der Vorgang wird als Stundung behandelt, die Beweislast trägt der Mieter.  

Richard Nitzsche: Makler und Autor von Mietercoach.de
Richard Nitzsche (M.Sc.) ist  Immobilienmakler und Autor des Blogs mietercoach.de. Er kommentiert für Sie tagesaktuell Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt. Sie wollen über Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt auf dem Laufenden bleiben? Registrieren sie sich jetzt und erhalten Sie die neusten Beiträge bequem und direkt via Email in Ihr Postfach.

Wirtschaftskrise: Wie hart trifft Deutschland die Corona-Rezession?

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