Immobilieninvestor Jakob Mähren: „Wir befinden uns in einer Kreditklemme!“

Kreditklemme Immobilienmarkt Coronavirus

Die Coronakrise lähmt den Immobilienmarkt. Dies hat auch Immobilieninvestor Jakob Mähren bereits zu spüren bekommen: In einem Interview mit Inside Wirtschaft vom 21.04. sagt der im Immobilienmarkt bekannte Unternehmer: „Wir befinden uns in einer Kreditklemme!“ Aktuell sei es schwierig, einen Kredit aufzunehmen. Zwar seien die Zinsen derzeit niedrig, die niedrigen Zinsen „bringen aber dem Investor oder Käufer nichts, wenn er keinen Kredit bekommt.“ Zwar sei die Bereitschaft zur Immobilienfinanzierung grundsätzlich gegeben, doch Banken überfordere die Anfragenflut durch staatliche Hilfspakete. Die Kreditinstitute arbeiteten derzeit am Rande ihrer Kapazitätsgrenzen. Durch die Auswirkungen des Coronavirus, beispielsweise durch Quarantänemaßnahme, funktioniere das Zusammenspiel der einzelnen Abteilungen nicht mehr reibungslos. Diese momentane Lähmung der Kreditwirtschaft werde zum Problem für den Wohnungsmarkt, in dem die Transaktionszahlen in den vergangenen Wochen massiv eingebrochen seien.


Coronakrise: Banken verlangen höhere Sicherheiten und mehr Eigenkapital von Käufern

In der Folge der gesamtwirtschaftlichen Verwerfungen werden Banken höhere Sicherheiten fordern und ihre Margen erhöhen. Zwar fielen die Zinsen auf den Märkten, steigen jedoch im Kreditvertrag, berichtet Mähren in dem Interview. Mit dieser Beobachtung steht der Immobilieninvestor nicht alleine: Zahlreiche Anleger berichten immer wieder von Änderungen des Leihverhaltens der Banken im Zuge der Coronakrise. Auch Miriam Mohr, Vorständin von Interhyp, sagte jüngst laut FocusOnline, es werde wahrscheinlicher, dass Banken höhere Anforderungen an Tilgung bzw. Eigenkapital der Kreditnehmer stellen. (Anmerkung von Mietercoach: Auch meine Kunden berichten derzeit über Anpassungen der Kreditvergabestanders für Immobilienkredite)

Mietstundungen und Ausfälle bei 20 Prozent der Wohnungsmieter und 80 Prozent der Gewerbemieter

Der Immobilienmarkt stehe aktuell still, weiss Mähren. Transaktionszahlen, Wiedervermietungen, Objektbesichtigungen seien durch das Coronavirus eingebrochen. In der Folge der Lähmung der Realwirtschaft erreichen auch die Mähren AG Anfragen von Mietern, die ihre Miete nicht zahlen können oder wollen oder den Eigentümer ersuchen, bestehende Mietverträge nachzuverhandeln. Laut Angaben von CEO Jakob Mähren besitzt die Mähren AG rund 2000 Einheiten 20 Prozent des Portfolios entfallen auf Gewerbe. Das Segment Wohnen präsentiere sich dabei vergleichsweise stabil. Während im Portfolioteil Gewerbe rund 80 Prozent der Mieter betroffen seien, habe das Unternehmen m Segment Wohnen Ausfälle und Stundungen von etwa 20 Prozent zu verzeichnen. 

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Immobilieninvestor Mähren erwartet Preiskorrekturen, Wohnimmobilienmarkt sei moderat betroffen 

Im Ausblick erwartet Mähren für den gesamten Immobilienmarkt Preiskorrekturen. Jedoch begreift er das Segment Wohnen noch vergleichsweise wenig volatil. Stärker unter Druck werde der Bereich Gewerbeimmobilien geraten. Insbesondere Tourismus- und Retailimmobilien stünden massiv unter Druck. Diese Korrektur hätten auch die größten Pessimisten unter den Marktakteuren so nicht erwartet: Nach zwölf Jahren des Booms sei es dem Immobilienmarkt durchaus bewusst gewesen, dass eine Korrektur nahen könnte. Dass dieser „Schwarze Schwan“, der den Immobilienmarkt jetzt in Form der Coronakrise erreicht, jedoch so schnell und massiv eintritt, haben viele Marktteilnehmer dann doch nicht vorhergesehen. Ein derartiges Szenario des Stillstands, wie dieser aktuell beispielsweise bei Einkaufszentren eingetreten sei, werde in keinem Businessplan als Worst-Case abgebildet, meint Mähren. Wie massiv die Krise den Immobilienmarkt und seine Untersegmente treffe, sei jedoch von der Signifikanz der Rezession abhängig. Für den Wohnimmobilienmarkt erwartet Mähren noch einen vergleichsweise moderaten Preisrücksetzer, jedoch werden die Refinanzierungsmöglichkeiten schwieriger. 

Wohnungsmarkt: Alles beim Alten – nur anders! (Immobilien-Themen KW 17/2020)

Jakob Mähren: Ein Immobilienabschwung ist nicht nach sechs Wochen beendet!

Liquidität werde in der aktuellen Situation vor dem Hintergrund der Planungsunsicherheit das wichtigste Gut. „Wir versuchen Chancen zu ergreifen und nicht in einer Schockstarre zu verweilen.“ Ein Immobilienabschwung oder gar eine Immobilienkrise sei nach sechs Wochen nicht beendet. Wenn die Auswirkungen der Krise in der Realwirtschaft nach sechs bis zwölf Monaten in der Immobilienwirtschaft ankämen, werde es noch deutlich mehr Chancen geben. Für Eigentümer und Investoren könnte es deshalb aus Sicht von Mähren eine kluge Entscheidung sein, aktuell zu verkaufen, sofern die durch einen Verkauf freigesetzte Liquidität benötigt werde.