Immobilienmarkt: ETW- und Hauspreise uneinheitlich, neuer Trend zur Stadtflucht? (Immobilien-News KW21/2020)

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Neue Daten bewegen in der KW21/2020 die Immobilienbranche: Während der Coronakrise sind die Preise für Eigentumswohnungen in den deutschen Großstädten um rund 3 Prozent gefallen. Lag der von F+B ermittelte Indexwert für neu angebotene Eigentumswohnungen vor der Krise in KW10/2020 noch bei 6.578 €/qm, liegt der durchschnittliche Angebotspreis  aus KW 18 bei 6.329 €/qm. In Frankfurt wurden vor der Krise 7.592 €/qm bezahlt, in KW18/2020 wird der Quadratmeter Wohneigentum für 6.104 € angeboten.
Die Tendenz in den BIG-7-Metropolen zeigt sich uneinheitlich: In Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und Köln sind die Preise gefallen, in München und Stuttgart manifestieren sich stagnierende bis steigende Preise.

Preise für neu angebotene Eigentumswohnungen im deutschlandweiten Durchschnitt sind sogar um 2,6 Prozent geklettert.


Preise für Einfamilienhäuser steigen, Angebotsvolumen sinkt

Besonderes Interesse verlangt auch die von F+B neu eingeführte Erhebung zu Angebotsvolumina und Preisen für Einfamilienhäuser. Hier zeigt sich eine Verknappung des Angebots vom Indexwert 100 in KW10/2020 auf 92,4  in KW18/2020 bei gleichzeitig steigenden Preisen.

In der Zwischenzeit pendelt die Zahl der neu angebotenen Mietwohnungen um den Vorkrisenwert. Die Mietpreise sind dabei sogar leicht angestiegen. 

Interpretation der Erhebung: Mietpreise

„Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Infektion und die damit einhergehende Erschwerung der Vermietungstätigkeit hatten offenbar keinen nennenswerten Einfluss auf die Höhe der geforderten Mieten. Weder waren in hohem Maße Preisanpassungen nach oben zu beobachten, die sich durch partielle Verknappungstendenzen hätten ergeben können, noch war in breitem Rahmen eine ‚Discountmentalität‘ zur Vermarktung in diesem schwierigen Marktumfeld beobachtbar“, erklärt F+B-Geschäftsführer Dr. Bernd Leutner. 

Interpretation der Erhebung: Kaufpreise

Im Verlauf der Coronakrise sind weniger Einfamilienhäuser angeboten worden, gleichzeitig lässt sich eine leichte  Korrektur der Preise für Wohneigentum in den Big-7-Großstädten beobachten. 

Grundsätzlich liefern die Daten natürlich nur eine erste, vorsichtige Indikation, da der Betrachtungszeitraum mit lediglich 8 Wochen kurz gewählt ist und der  Corona-Schock im Markt zahlreiche  Interpretationsansätze denkbar macht. Auch fluktuieren die Abweichungen, gerade für die Preise von Wohneigentum, über die einzelnen Wochen stark, in München sinkt der Index auf Wochenbasis in KW18/2020 auf 8.979 € von 10.249 € in KW18/2020 (12 Prozent).

Löst Coronakrise einen  Trend zur Stadtflucht aus?

Kann hier bereits eine Stadtflucht unterstellt werden? Während der sozialen Isolation durch die Coronakrise war insbesondere für Bewohner von Stadtwohnungen der Leidensdruck besonders hoch. Einerseits litten Städter unter vergleichsweise wenig zur Verfügung stehendem Raum; vor dem Hintergrund hoher Miet- und Kaufpreise. Andererseits präsentierte sich eine heruntergefahrene City-Infrastruktur als wenig lebenswerte Betonwüste – bei geschlossenen Spielplätzen und Kitas war dies für Familien mit Kindern besonders schwer zu ertragen.
Eine Zukunftsstudie zu den Auswirkungen der Coronakrise hatte im April ähnliche Hypothesen aufgestellt.   

Die Verknappung des Angebots an Einfamilienhäusern zum Kauf könnte auch darauf hindeuten, dass grundsätzlich verkaufswillige Eigentümer von Einfamilienhäusern ihren Verkaufsvorsatz aufschieben. 

Richard Nitzsche: Makler und Autor von Mietercoach.de
Richard Nitzsche (M.Sc.) kommentiert für Sie wöchentlich aktuelle Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt. Folgen Sie diesem Blog und erhalten Sie aktuelle Beiträge direkt via E-mail in Ihr Postfach.

Stimmen aus dem Immobilienmarkt: Verkäufer ziehen Angebote zurück

Diesen Trend beobachtet zumindest ein Makler, der im Rahmen des am Dienstag abgehaltenen Sprengnetter Gipfeltreffens zu den Auswirkungen der Coronakrise auf die Immobilienbranche referierte. Akquisetermine für Hausverkäufe würden kurzfristig abgesagt, meint der Makler. Die potenziellen Verkäufer begründeten, ein Verkauf sei derzeit nicht unbedingt notwendig. Man wolle zunächst abwarten. Ein anderer Referent bescheinigt, Kunden ziehen ihre Angebote zurück, weil Sie bei volatilen Finanzmärkten und Sorge um die Stabilität des Euros den Verkaufserlös nicht weiterinvestiveren könnten oder wollten.

Finanzierungsspezialist: Kaufinteressenten für Einfamilienhäuser drängen zum Notar

Sascha Meermann, Geschäftsführer bei von Poll Finance, sieht stärkeren Druck bei Hauskäufen. Kunden, die sich bereits für den Erwerb eines Eigenheims entschieden hätten, drängen jetzt noch vehementer als vor der Krise zur Unterschrift. Zudem sei das Risikobewusstsein der Klienten während der Coronakrise gestiegen. Kunden befassten sich stärker mit dem Absicherungsbereich, meint ein Finanzierungsvermittler. Kreditnehmer fragen verstärkt nach, „was mit dem Kredit passiere, wenn sie krank würden oder ausfallen.“
Eventuell liege das Drängen auf die Vertragsunterschrift auch darin begründet, dass es für Arbeitnehmer in Kurzarbeit praktisch unmöglich werde, eine Baufinanzierung zu erhalten und man Kaufinteressenten den Immobilienerwerb bzw. die in Verbindung stehende Finanzierung deshalb zügig unter Dach und Fach bringen möchten, bevor sich Veränderungen am Arbeitsplatz manifestieren. 


Baufinanzierung: Zinsen leicht gestiegen

Der Trendindikator von Dr. Klein beobachtet im April 2020 einen deutlichen Anstieg der Standardrate auf 396 € von 379 € im April. Der Anstieg spiegele leicht gestiegene Zinsen für Immobilienkredite wieder, heisst es in einer Meldung des Unternehmens.

Trendindikator Baufinanzierung

WEITERE IMMOBILIEN-THEMEN DER KW 21/2020

Die folgenden Immobilienthemen haben in der aktuellen KW21/2020 zur Diskussionen unter Marktteilnehmern beigetragen:

Risiko USA: Neue Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten?

Das Coronavirus wütet in den USA. Der durch den Lockdown verursachte Crash am Arbeitsmarkt könnte zu Problemen im Zahlungsverhalten von US-Kreditnehmern führen. Der Blog FINANZ- und WIRTSCHAFT präsentierte einen Grafik zur Korrelation von Notleidenden Krediten und Arbeitslosenquote, der Marktteilnehmern zu Denken gibt.

Immobilienkredite, US-Arbeitslosenquote & Corona-Pandemie: Wie wahrscheinlich ist eine zweite Hypothekenkrise?

Immobilienmakler: Bundestag beschließt Provisionsteilung

Der Bundestag hat am 14.Mai den Kompromiss zur Verteilung der Maklerkosten beim Immobilienverkauf beschlossen. Das ursprünglich von der SPD geforderte Bestellerprinzip beim Immobilienverkauf ist damit vom Tisch. Ebenfalls abgeräumt wurde mit der beschlossenen Regelung die Forderung der Grünen zur Deckelung der Maklercourtage auf 1,68 Prozent zzgl. MwSt. .
Immobilienmakler begrüßen die Änderung, das für die Makler „Schlimmste Szenario“ wurde dabei abgewendet. Die Doppeltätigkeit als Mittler zwischen Käufer und Verkäufer sei mit dem Gesetz gewahrt worden, heisst es in einer Erklärung des Immobilienverbands Deutschland (IVD) zum Gesetz, das ausschließlich beim Erwerb von Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen durch Privatnutzer gilt. Im Institutionellen Bereich bleibe die Provision weiterhin frei verhandelbar, ebenso beim Verkauf von Mehrfamilienhäusern.
Zum Thema Provisionsteilung & Bestellerprinzip beim Immobilienverkauf habe ich einen ausführlichen Kommentar veröffentlicht. Seit 2015 begleite ich mit dem Unternehmen Nitzsche Immobilien Verkaufsmandate ausschließlich, wenn der beauftragende Verkäufer die volle Maklerprovision übernimmt.  

Das Bestellerprinzip kommt nicht: Abgesang auf eine gute Idee

Immobilien-Themen aus den vergangenen Wochen

Berichte aus dem Immobilienmarkt: Alle Wochenberichte im Überblick

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Zu den Immobilien-Themen (KW 22/2020): Immobilien: Preise „rauf“ oder doch „runter“ nach Corona?

Zu den Immobilien-Themen (KW 20/2020): Rückläufige Transaktionsvolumina: Coronavirus infiziert Immobilienmarkt

Zu den Immobilien-Themen (KW 18/2020): Immobilien: Investoren suchen die Chancen der Coronakrise

Zu den Immobilien-Themen (KW 17/2020): Wohnungsmarkt: Alles beim Alten – nur anders!

Zu den Immobilien-Themen (KW 16/2020): Corona killt Kaufpreise: Immobilienboom beendet