Ausstattung: Die 10 wichtigsten Kriterien für die neue Mietwohnung

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Sind Sie Mieter und gerade auf Wohnungssuche in der Großstadt? Hier trifft hohe Nachfrage auf geringes Angebot. Um Ihre Chancen besser einschätzen zu können, sollten sich Mieter die Ausstattung der wenigen angebotenen Wohnungen genau ansehen.

Hierbei gilt: Je besser die Ausstattung der Mietwohnung, umso begehrter die Immobilie (weil sich mehr Interessenten nach der Besichtigung mietwillig melden) – dementsprechend unwahrscheinlicher wird es statistisch für Sie, den Zuschlag bei der Wohnungsvergabe zu erhalten. Mit den Tipps und Hilfen aus meinem Ratgeber, können Sie die Statistik bei der Wohnungssuche jedoch zu Ihren Gunsten verändern. So werden auch heiß begehrte Immobilien für Sie erreichbar!

Im Umkehrschluss können Sie aber davon ausgehen, dass Anbieter mit fehlenden Ausstattungsmerkmalen von Wohnung, Objekt oder auch Lage (die Lage der Immobilie wird hier nicht näher behandelt), mietwillige Interessenten verlieren.

Die Top 10 der wichtigsten Ausstattungskriterien der Wohnung

Folgend die zehn wichtigsten Kriterien der neuen Wohnung, auf die Mieter erfahrungsgemäß Ihren Fokus bei der Wohnungssuche legen. Dabei handelt es sich um Beobachtungen aus meiner Berufspraxis als Mietmakler in Frankfurt.

10. Fußbodenheizung

Die Fußbodenheizung ist für die meisten Mieter kein Muss, aber ein gern gesehenes „Nice-to-Have.“ Wer hat nicht gern schön warme Füße im Winter. Der wichtigste Vorteil der Fußbodenheizung liegt jedoch in der zusätzlichen Fläche und der dadurch größeren Flexibilität in der Einrichtung, die durch fehlende Heizkörper an den Wänden geschaffen wird. 

9. Parkettboden / hochwertige Fliesen / gehobene Ausstattung

Die Qualität des Bodens ist ein wichtiges Ausstattungsmerkmal. Der Boden wertet die Immobilie grundsätzlich auf, sodass sich der Interessent leichter für das Objekt begeistern kann. Ich kann mich an keine Absage von Interessenten erinnern, die aufgrund eines „fehlenden Parkettbodens“ abgesagt hätten, jedoch vermieten sich Wohnungen mit hochwertigen Böden grundsätzlich leichter.
Dies könnte jedoch auch daran liegen, dass Eigentümer, die Wert auf die Böden liegen im Regelfall auch bei Wandbelägen (glatt ist Trend) und Bädern nicht sparen. 

8. Rolladen / elektrische Rollläden

Rollläden werden bei etwa einem von zehn meiner Mietobjekten zum Thema. Entweder befindet sich die Wohnung im Erdgeschoss und der Mieter verspricht sich vom Rollladen erweiterten Einbruchsschutz, oder die Immobilie ist sehr einsehbar. Bei Mietern, die im Schichtdienst arbeiten – Ärzten, Krankenschwestern, Piloten, Angestellten im Klärwerk oder Polizisten – sind Rollläden ein wesentlicher Faktor. Viele Objekte in großen, in den 80ern gebauten Wohnhäusern, verfügen über keine Aussenrollläden, sodass sich der Mieter von Innen um Verdunklung und Sichtschutz kümmern muss. Dem Vermieter kommt dies jedoch häufig entgegen, Rollläden gehen nämlich gerne und häufig kaputt; unter anderem weil Kinder am Kabelzug Kletterübungen veranstalten oder weil der Rollladen vom Mieter unsachgemäß genutzt wird. Pech für den Vermieter, die Beweislast liegt beim Eigentümer und solange der Beweis fehlt, muss der Vermieter die Instandsetzung bezahlen. 

7. Fahrstuhl

Ab dem 3.OG wird’s schmerzhaft – sogar für Sportbegeisterte, auch wenn die vielleicht einen Stock länger durchhalten. Der Fahrstuhl wird für ältere Mieter oft zum Showstopper. Berücksichtigen Sie hier die Lage derImmobilie: In bestimmten Stadtvierteln, die mit Denkmalgeschützen Altbauten durchzogen sind, existieren nur sehr wenige Immobilien, die über einen Fahrstuhl verfügen. In diesem Fall wird auf diese Wohnungen (ceteris paribas) entsprechend höhere Nachfrage entfallen. 

6. Tageslichtbad

Warum das Tageslichtbad für viele Mieter so wahnsinnig wichtig ist, wird mir auch nach einem knappen Jahrzehnt der Tätigkeit im Immobilienmarkt auf einer logischen Ebene nicht wirklich ersichtlich. Ja – man bzw. Frau kann sich mit Tageslicht besser schminken, Ja – der Dunst von Dusche und Wanne zieht bei geöffnetem Fenster ein bisschen besser ab. Aber ganz ehrlich: In Frankfurt wird die selbe Masse an Dreckluft von der Straße durchs offene Fenster in die Wohnung geblasen.  

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass zwei Arten von Mietinteressenten existieren: Die Tageslichtbad-Fanatiker und die Mietinteressenten, denen das Fenster im Bad dann doch eigentlich egal ist. 

5. Waschmaschinenanschluss in der Wohnung bzw. Hauswirtschaftsraum

Der Gang zum Waschraum im Keller ist weit und indiskret. Möchte Frau dem alleinstehenden Nachbarn im Treppenhaus wirklich die getragene Unterwäsche im Korb präsentieren, wenn dieser von seinem Nine-to-Five- Bürojob nach Hause kommt?
Klares Voting für den Hauswirtschaftsraum, zumindest aber für die Möglichkeit, eine Waschmaschine in der Wohnung zu stellen. Ausserdem gibt’s im Keller ja auch Spinnen und „sowas“.

4. Keller 

Stichwort Keller. Ein Freund von mir prägte einmal das Sprichwort: Gib den Leuten Keller und Garagen, und sie machen sie voll. Wenn ich bewohnte Wohnungen für die Nachmietersuche aufnehme, sehe ich häufig auch den Bestand des Kellers. Beim Verlassen des Hauses bin ich dann häufig geneigt zu prüfen, ob die Mülltonnen zu klein sind. Das aus meiner Sicht am meisten überschätzteste Gimmick der Mietwohnung ist der Keller – jedoch für zahlreiche Mieter unglaublich wichtig und häufig, wenn im Angebot nicht vorhanden, tatsächlich ein Showstopper. Der Keller als Auswahlkriterium wird für mich persönlich vielleicht genau dann nachvollziehbar, wenn das Haus über keinen Fahrradraum verfügt, der Mieter Sportfanatiker ist und eine 50-50 Chance besteht, dass das 4000 Euro-Fahrrad des Nachts vor dem Haus oder im Treppenhaus „abhanden kommt“. 

3. PKW-Stellflächen

Für Berufspendler werden fehlende PKW-Stellflächen zum echten Problem, für Mieter ohne Bewusstsein für Modetrends ist der fehlende Tiefgaragenplatz ebenfalls ein Showstopper: Das Auto ist schließlich gesellschaftlich geächtet und völlig out. Hin und wieder erreichen Eigentümer und Makler bei fehlenden Stellplätzen im Objekt jedoch sogar Absagen von bekennenden Klimaschützern; vielleicht ohne die Angabe von Gründen. Der Porsche-SUV, in den man Mami oder Papi nach der Besichtigung eingestiegen sind, war bestimmt nur geliehen.

2. Balkon oder Garten

Nach den Erfahrungen aus der Coronakrise werden für Mieter auf Wohnungssuche das Vorhandensein von Balkon oder Garten an Stellenwert vermutlich noch einmal zulegen; insbesondere in den Großstädten. Aber auch schon bis März 2020 galt das Ausstattungsmerkmal als wichtige Selektionsstellschraube für Mieter bei der Wohnungssuche. 

1. Einbauküche, besonders Geschirrspüler 

Das Fehlen einer Einbauküche ist für mindestens die Hälfte der Mietinteressenten ein Grund, sich nicht für die Wohnung zu entscheiden. Verständlich: Ein Umzug ist teuer, der Kauf einer neuen Küche ist nach der Belastung durch Miete, Kaution und Renovierungskosten der alten Wohnung für viele Mieter nicht machbar oder nicht praktikabel. Dazu kommen zusätzliche Lieferzeiten und Organisationsaufwand: Nach Vertragsschluss müssen Mieter ins Küchenstudio oder ins Möbelhaus, es werden Termine zum Maßnehmen der Küche fällig, usw. Ist eine EBK vorhanden, sollte diese nach Ansicht der meisten Interessenten über eine Spülmaschine verfügen, wenigstens jedoch über einen Platz bzw. eine Auslassung zum Stellen eines solchen Geräts. Die Erfahrung zeigt, dass Wohnungen mit Einbauküche aber ohne Platz für die Spülmaschine tendenziell schwergängiger sind, als vergleichbare Objekte, die über Anschluss und entsprechende Stellflächen verfügen. 

Fehlt die Einbauküche, wird dies gleichzeitig zur Chance für den Mieter: Erstens wird die Wohnung mit Einbauküche im Regelfall mit einem Preisaufschlag angeboten. Überlegen Sie sich, wie lange Sie in der Wohnung wohnen wollen. Die Finanzierung der eigenen Küche für den Mieter bei einer langen Mietdauer günstiger werden, als die Anmietung einer Wohnung mit Küche. Zusätzlich erzielen Sie eventuell einen Verkaufserlös bei Auszug, der über dem Restwert liegt – sollte es Ihnen gelingen, Einbauküche an den neuen Mieter zu verkaufen.
Grundsätzlich sind Wohnungen ohne EBK unbeliebter als Wohnungen mit EBK. Gehen Sie den beschwerlicheren Weg und mieten Sie ein Angebot ohne Küche, erhöhen Sie als Mieter ihre Chancen darauf, den Zuschlag bei der Wohnungsvergabe zu erhalten. 

Richard Nitzsche ist Immobilienmakler und Autor des Ratgebers für Mieter auf Wohnungssuche „Der Mietercoach – Ihre neue Wohnung SUCHEN – FINDEN – BEKOMMEN“. Er ist im Frankfurter Mietwohnungsmarkt einer der führenden Makler.