Immobilien: Wird’s durch Corona billiger? (Nachricht & Meinung aus dem Immobilienmarkt der KW 28/2020)

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Werden die Immobilienpreise durch Corona billiger? Oder wird die Pandemie auf dem Immobilienmarkt gerade das Gegenteil bewirken und die ohnehin bereits stark gestiegenen Preise weiter in die Höhe treiben? Wie interessant ist aktuell der Kauf eines Einfamilienhauses, einer Eigentumswohnung, eines Reihenhauses oder einer Doppelhaushälfte?


Seit Beginn der Coronakrise, seit dem dramatischen Einbruch der Börsen (mit anschließender Erholung), diskutieren Marktteilnehmer und Marktbeobachter über die Auswirkungen der Coronakrise auf den Immobilienmarkt. Dabei wechseln die Meinungen und Analyseansätze nahezu im Wochentakt, wenn die spärlichen Informationen des der Wirtschaft und Entwicklung nachlaufenden Immobilienmarkts eintröpfeln und interpretiert werden müssen.

Chronologie Immobilien 2020: Die Corona-Krise im Immobilienmarkt

Ein kurzer Rückblick: Die Coronakrise erreicht Deutschland im März/2020. Es folgt Panik und Lock-Down. Experten sagen eine Verbilligung der Immobilienpreise voraus: Billigere Immobilienpreise wahrscheinlich!, heisst es nahezu unisono. Sogar renommierte Ökonomen rechnen in Studien bei einzelnen Szenarien mit zweistelligen Preisrückgängen.
Nach der Schockstarre in den Kalenderwochen 12-15, setzt ab Kalenderwoche 17 eine schleichende Normalisierung auf dem Markt für Wohnimmobilien – bei Vermietungen und Verkauf – ein, nachdem die Lockdown-Richtlinien schrittweise gelockert werden.

Richard Nitzsche: Makler und Autor von Mietercoach.de
Richard Nitzsche (M.Sc.) kommentiert für Sie wöchentlich aktuelle Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt. Folgen Sie diesem Blog und erhalten Sie aktuelle Beiträge direkt via E-mail in Ihr Postfach.

Innerhalb dieser Normalisierung werden jedoch Aufträge abgearbeitet, deren Ausführung durch die Coronakrise lediglich unterbrochen wurde. Die Mieter ziehen jetzt um, die Ihre Wohnungen zu Jahresbeginn, noch vor der Pandemie, gekündigt haben. Bereits geschlossene Arbeitsverträge werden angetreten. Gefundene und durchfinanzierte Eigenheime gehen in die Protokollierung beim Notar. Hier erhöht sich der Druck von Käufern sogar, während einige Verkäufer geschockt durch die Krise von der Verkaufsabsicht (meist bei Einfamilienhäusern bzw. DHH & Reihenhäusern) zurücktreten.

Wohnimmobilien: Welche Krise? 

Ein Makler sagt in dieser Woche dem Focus, von Krise könne auf dem Immobilienmarkt für Wohnimmobilien keine Rede sein, die Nachfrage sei ungebrochen und überhaupt sei im Bereich Wohnimmobilien kein Corona-Effekt zu spüren. Im Gegenteil: „Die Immobilienpreise sind stabil und steigen vielerorts sogar weiter.“  Inzwischen konstatieren diverse Medien, die Krise werde am Immobilienmarkt vorübergehen. Der Focus fragt im Resümee des beschriebenen Beitrags mit Blick auf die Immobilien verständlicherweise: „Krise, welche Krise?“. 

Immobilienmarkt ist nachlaufend!

Jedoch hat die Vollbremsung der globalen Märkte und der Deutschen Wirtschaft hat den Immobilienmarkt bis heute noch nicht vollständig erreicht. Die Interventionen und Hilfspakete des Fiskus verzögern die Wellen der Pandemie, es wird einige Zeit vergehen, bevor die Corona-Effekte auf den Immobilienmarkt aufschlagen werden. Für einige Marktteilnehmer scheint es sogar denkbar, dass die Auswirkungen auf den Immobilienmarkt durch die Staatshilfen abgemildert oder gar gänzlich abgefangen werden. Hier existieren diverse, gegenläufige ökonomische Szenarien – die Transmission der verschiedenen Impulse aus Wirtschaft und Geldpolitik auf den Immobilienmarkt vorauszusagen ist im Augenblick praktisch unmöglich. 

Schock und Markteingriffe beispiellos

Die Eingriffe ins ökonomische Gleichgewicht in dieser Größenordnung sind beispiellos. Es ist verständlich, dass Marktbeobachter zum Überinterpretieren neigen. In die eine oder andere Richtung. Die journalistische Feder bewegt sich schneller, als der langsame Immobilienmarkt mit seinen lang laufenden Zyklen. Artikel müssen geschrieben, Kolumnen gefüllt werden. Dabei sind die Wechselwirkungen in einem normalen Marktumfeld schon schwer qualifizierter – aber was ist schon normal? 

US-Immobilienpreise in den Metropolen fallen, New Yorker Immobilienmarkt unter Druck

Historisch schneller bewegt sich der Immobilienmarkt in den Vereinigten Staaten. Aus dem US-Markt macht in dieser Woche ein Beitrag die Runde: Der Artikel beschreibt, wie Amerikaner reihenweise die großen Städte verlassen und aufs Land ziehen. Grund sei ein Mix aus ökonomischer Unsicherheit, Angst vor Ansteckung durch Corona, und den sozialen Unruhen. Aber auch das Remote-Working, das den Arbeitsplatz ins Ortsunabhängige Homeoffice transferiert, schaffe die Option zum Umzug. Die Folgen seien auf dem New Yorker Immobilienmarkt spürbar. 

Immobilienpreise: Atempause bis Herbst

Das Immobilien-Fachmagazin Haufe berichtet in dieser Woche von einer Studie des Immobilienfinanzierers LBS: „Corona bremst den Preisanstieg bei Wohnimmobilien zumindest vorübergehend aus.“, zitiert das Blatt einen Sprecher der Bausparkasse. Man beobachte eine Kombination aus „leicht nachlassender Nachfrage“ und „verknapptem Angebot“. Die Bausparkasse prognostiziert zwar keine billigeren Immobilienpreise, jedoch zumindest eine „Atempause“. 

Büroimmobilien: Transaktionsvolumina im ersten Halbjahr eingebrochen

Auch der Blick auf den Büro-Sektor ist interessant. Hier erreichen uns Schockzahlen. Ebenfalls Haufe berichtet über Rückgänge von Büromieten in sämtlichen sieben führenden Metropolen und bezieht sich auf den Halbjahresbericht des Maklers German Property Partners. Frankfurt wird besonders gebeutelt. In der hessischen Großstadt ist das Vermietungsvolumen im ersten Halbjahr 2020 um 55 Prozent eingebrochen. München verzeichne einem Minus von 19 Prozent den geringsten Einbruch sämtlicher Big-Seven-Metropolen. „Unternehmen agieren bei der Suche nach Büroflächen zögerlich. Vor allem Gesuche, die in der Expansion von Unternehmen begründet sind, liegen weitgehend auf Eis.“, zitiert Haufe einen Sprecher des Maklerunternehmens. 

Bei der Interpretation dieser Zahlen sollte man sich bewusst machen, dass an jeden Quadratmeter gemieteter Bürofläche (normalerweise) Existenzen gekoppelt sind. Mitarbeiter werden eingestellt, eine Wertschöpfungskette in Gang gesetzt. Der Optimist sieht die Wertschöpfungskette nun im Homeoffice, der Pessimist sagt den Wegfall des Produktionsstrangs voraus. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen. 

Und die Hauspreise: Werden sie Billiger oder teurer? 

Die Wette auf billigere Hauspreise scheint im Augenblick ebenso gewagt, wie die Antizipation teurer Immobilienpreise und ein hastiger Kauf. Eine Besinnung auf den Mehrwert, den die Immobilie seinem Nutzer bietet und auf Dauer bieten wird, könnte unschlüssigen Kauf- und Verkaufsinteressenten helfen.Richtig ist: Es muss immer gewohnt werden. Aber wird bspw. die Wohnlage „nahe des Flughafens“ künftig für ebenso viele Mieter oder nächsten Käufer einen entsprechenden Mehrwert darstellen? Glauben Sie an ein Revival der Luftfahrtindustrie, dann könnten Sie jetzt kaufen! Glauben Sie, dass sich das Fliegen langfristig erst einmal erledigt hat, dann könnten Sie jetzt diese verkaufen, bevor die Annahme zur Realität wird und sich der Preis Ihrer Wohnung verbilligt. Doch vergessen Sie nicht: Glauben ist eine Wette auf die Zukunft. Andererseits: Mit Nichts-Tun verlieren Sie als Käufer zwar kein Geld, aber sie werden auch nicht reicher.

Weitere Nachrichten aus dem Immobilienmarkt der KW 28/2020

Die folgenden Meldungen haben Marktteilnehmer in der aktuellen KW28/2020 ebenfalls bewegt.

BGH-Urteil zu Renovierungen in Mietwohnungen

Ein folgenschweres Urteil für Mieter und Eigentümer hat der Bundesgerichtshof am Mittwoch verkündet. Vermieter müssen unter bestimmten Voraussetzungen für die Renovierung einer vermieteten Wohnung während des Mietverhältnisses aufkommen, jedoch nur dann, wenn der Mieter die andere Hälfte der Aufwendungen trägt, die Immobilie in nicht-renoviertem Zustand an den Mieter übergeben wurde und sich der Zustand über die Dauer des Mietverhältnisses noch einmal deutlich verschlechtert habe. 

Immobilien-Themen aus den vergangenen Wochen

Berichte aus dem Immobilienmarkt: Alle Wochenberichte im Überblick


Zu den Immobilien-Themen (KW 2//2020): Lage auf dem Immobilienmarkt: Steigende Häuserpreise trotz schlechter Konjunkturdaten

Zu den Immobilien-Themen (KW 26/2020): Aufstieg in den DAX: Würde Warren Buffett Aktien der Deutsche Wohnen kaufen?

Zu den Immobilien-Themen (KW 25/2020): Mit WUMMS in die Inflation? Warum auch Immobilien betroffen wären

Zu den Immobilien-Themen (KW 24/2020): Steigende Immobilienpreise nach Corona: Optimisten erleichtert, Experten verhalten