Immobilienmarkt uneinheitlich: Wohnimmobilien weiter stark, Zukunft unklar (Immobilien-Themen der KW 38-2020)

Corona Coronavirus Immobilienmarkt Immobilienpreise Entwicklung

Die Corona-Fallzahlen steigen und im Mietmarkt zeigen sich erste Auswirkungen der Pandemie. Dennoch beurteilen die Immobilienweisen das Segment Wohnimmobilien in Deutschland positiv. Während in New York die Immobilienpreise kollabieren, wähnen sich Deutsche auf der staatlich finanzierten, rosaroten Wolke. Eine Zukunftsstudie der Deutschen Bank warnt vor dem Ende der Globalisierung und einer Bedrohung durch wachsende Ungleichheit und den steigenden Unmut der Millennials

Steigende Corona-Fallzahlen haben die Märkte auch in der 38. KW beschäftigt. Mit rund 2.000 Neuinfektionen in der Spitze bleibt das Infektionsgeschehen in Deutschland noch immer hinter seinen europäischen Nachbarn oder gar den USA zurück. Dennoch drückt die hohe Zahl der Infektionen auf die Stimmung der Verbraucher, manifestiert sich in neuen Regelungen zur Kontaktbeschränkung – beispielsweise am Freitag in Köln – und hemmt den Konsum, der für das Erstarken der Wirtschaft unerlässlich wäre. Droht die fragile ökonomische Erholung wieder zu kippen? Erst in dieser Woche hatte das statistische Bundesamt ein Aufklaren der Konjunkturdaten in Juli und August gemeldet.


Doch die Sorge vor einem langen, harten Winter und einer zweiten Welle bleibt. Die zweite Corona Welle scheint von Woche zu Woche wahrscheinlicher zu werden. 

Immobilienweisen: Einzelhandel und Hotellerie unter Druck, Büromarkt auf Richtungssuche
Das Gutachten der Immobilienweisen, das diese Woche erschienen ist, nimmt treffend die Innenstädte ins Visier. Hier leidet der Einzelhandel unter der aktuellen Situation. Viele Einzelhändler seien in ihrer Existenz bedroht. Nicht minder kritisch bewerten die Experten die Lage für die Hotellerie. Büroimmobilien seien aktuell dagegen eher weniger in Mitleidenschaft gezogen. Die Aussage läuft entgegen der Nachrichten vor einigen Wochen, nach denen die Nachfrage nach Büroflächen eingebrochen und das Marktsegment stark unter Druck geraten sei.

Immobilienmarkt: Wohnimmobilien weiterhin stark, aber…
Weiterhin auf Erfolgskurs ist das Marktsegment „Wohnimmobilien“. Wohnungen und Einfamilienhäuser profitieren weiterhin von steigenden Preisen. Zu Wochenbeginn machte unter Marktteilnehmern jedoch ein Bericht auf der Website des Nachrichtensenders ntv die Runde, der auch für den Markt für Wohnimmobilien erste Auswirkungen der Corona Pandemie diskutierte. Tatsächlich verhalten sich Mieter aufgrund der Krise vorsichtiger. Der Mietmarkt hat in den vergangenen Monaten stark an Dynamik verloren. Es zieht nur noch um, wer unbedingt die Wohnung wechseln muss – beispielsweise weil er einen neuen Arbeitsplatz antritt. Der Bericht erläutert außerdem, dass sich immer mehr Eigentümer scheuen, Immobilien zum Kauf auf den Markt zu bringen und geplante Verkäufe aufschieben. Bei gleichbleibender oder durch die niedrigen Zinsen sogar steigende Nachfrage, könnte auch sinkendes Angebot einen Erklärungsansatz für die Preisschraube liefern.
Erste Trends für eine geänderte Nachfrage nach Wohnraum lassen sich ausmachen: Arbeiten im Homeoffice wird für Mieter, die auf kleiner Fläche „residieren“ zum Problem. 

Immobilien-Crowdinvesting mit BERGF??RST

Immobilienmarkt in New York City unter Druck
Besorgniserregend präsentiert sich der Blick über den Ozean: Der Immobilienmarkt in New York klagt über fallende Mieten und einbrechende Kaufpreise, sowie über eine Ausweitung der Leerstände im Segment  Wohnimmobilien. 

Richard Nitzsche: Makler und Autor von Mietercoach.de
Richard Nitzsche (M.Sc.) ist Immobilienmakler, Autor des mietercoach-Ratgebers und des gleichnamigen Immobilienblogs. Er berichtet wöchentlich über aktuelle Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt. Folgen Sie dem Blog und erhalten Sie neue Beiträge aktuell und bequem in Ihr Postfach. 

Die staatsfinanzierte rosarote Wolke in Deutschland
Da kommt man sich in Deutschland (noch) vor, als ob man von einer rosaroten Wolke die dramatischen Entwicklungen in anderen Ländern beobachte. Jedoch frage ich mich, wie Sie wissen übrigens schon seit Beginn der Krise, ob es wirklich so sinnvoll war, diese Wolke mit Steuergeldern auf eine für jedermann komfortable Größe aufzublähen.

Während ich mit Interesse dieses einzigartige fiskal- und geldpolitische Experiment beobachte und sogar ein wenig gespannt auf die weitere Entwicklung in die Zukunft blicke, begegnen mir in meinem Arbeitsalltag mehr und mehr Investoren, aber auch Mieter, denen die Sorgenfalten auf der Stirn geschrieben stehen.
Der „rosarote Schimmer“ lässt sich beinahe überall bemerken. Wann wird die Wolke wohl platzen? Wie wird dann unsere gemeinsame Zukunft aussehen?

Deutsche Bank: Globalisierung zu Ende, arme Millennials gereizt  
Zum Thema Zukunft habe ich in dieser Woche eine interessante Studie der Deutschen Bank gelesen. Das, zumindest gemessen am Aktienkurs (7,67 EUR Schlusskurs am Freitag im Xetrahandel) selbst gebeutelte Unternehmen, prophezeit das Ende der Globalisierung und warnt Anleger vor künftig Investitionspotenzialen. Handelskriege würden die Errichtung nationaler Wertschöpfungsketten begünstigen, die für Investoren geringere Renditen zur Folge hätten.
Im deutschen Inland könnte die steigende Ungleichheit zum politischen Regimewechsel führen, der auf Kosten der derzeit wohlhabenden Elite die Ressourcen umverteilt.
Schließlich möchte sich der „Habenichts“-Millennial auch ein Häuschen leisten können. Umso klarer die Generation die für den Vermögensaufbau perspektivenlose Realität erkenne, umso größer werde deren Hoffnung auf regierungsinduzierte Umverteilung.
Diese wäre dann obendrein auch bequemer, als selbst hart zu arbeiten und proaktiv nach eigenen Lösungen gegen das Armutsproblem zu suchen. Aus dem Wählerkreuz an der richtigen Stelle könnten dann höhere Besteuerungen von Einkommen, Erbe, Eigentum oder Unternehmen in das Regierungsprogramm eines „neuen Regimes“ eingehen.

Als klare Wahlgewinner der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen konnten sich im Übrigen die Grünen präsentieren. Sie verzeichneten bei der Wahl vergangenes Wochenende einen Stimmenzuwachs von 8,2 Prozent und sind mit 20 Prozent in der ehemaligen SPD-Hochburg drittstärkste Kraft. In diesem Sinne wünsche ich meinen Lesern dennoch ein schönes Wochenende.  

Immobilien-Crowdinvesting mit BERGF??RST

ältere Wochen-News aus dem Immobilienmarkt

Berichte aus dem Immobilienmarkt: Alle Wochenberichte im Überblick


Zu den Immobilien-Themen (KW 37/2020): Neues Gesetz zur Provision beim Immobilienkauf

Zu den Immobilien-Themen (KW 36/2020): Immobilien-Crowdfunding: Die Alternative zum Vermögensaufbau

Zu den Immobilien-Themen (KW 35/2020): Mit dem Homeoffice ins Umland: Macht Corona die Randlagen attraktiver?

Zu den Immobilien-Themen (KW 34/2020): Corona Pandemie: Büromieten unter Druck, Preise für Wohnimmobilien steigen

Zu den Immobilien-Themen (KW 33/2020):  SPD ebnet den Weg für Koalition mit Grünen und der Linken