Immobilienpreis-Analyse: Kaufpreise und Mieten fallen leicht (Immobilien-Thema der KW 47/2020)

Häuserpreisindex: Immobilienpreise steigen trotz schlechter Konjunkturdaten

Laut einer Analyse des bekannten Bewertungsinstituts Sprengnetter sind Mieten und Kaufpreise leicht gefallen. Sowohl in sieben beobachteten deutschen Metropolen, als auch in ganz Deutschland, sind die Preise zurück gekommen. Das Institut für Immobilienbewertung analysiert regelmäßig Angebotsdaten, die über Immobilienportale ermittelt werden. In der Großstadt wird der Quadratmeter Wohnraum für durchschnittlich 5.200 € gehandelt. Auf dem Land sind die Kaufpreise durchschnittlich um 100 € auf rund 2.400 €/ Quadratmeter gefallen.

300x250 Auch die Mietpreise sind in Großstädten leicht unter Druck geraten und um 0,20 €/ qm auf 12,10 €/qm (im Durchschnitt) gefallen.  In ganz Deutschland bleiben die Mieten bei 8,90 €/ qm laut Sprengnetter „stabil“.

Ist der Rückgang von Mieten und Kaufpreisen der Anfang eines Preisverfalls am Immobilienmarkt?

Haben wir mit dem ersten Rückgang seit der Corona-Pandemie nun den Anfang eines Preisverfalls am Immobilienmarkt erlebt, haben die Preise für Wohnimmobilien zum Kauf und zur Miete die Spitze gesehen? Holt den Immobilienmarkt die Realität ein?

Hier dürfte nur die letzte These zutreffen. Der Immobilienmarkt ist nachlaufend. Nachdem die deutsche Volkswirtschaft dramatisch unter der Pandemie gelitten hat, ist ein sogenanntes „Durchschnaufen“ der Immobilienpreise zumindest logisch nachvollziehbar. Als das Ende der Preisrallye sollte die tatsächlich marginale Entwicklung aktuell keinesfalls betrachtet werden. Dennoch befindet sich die deutsche Volkswirtschaft, und damit auch der Immobilienmarkt, in einer einzigartigen Situation, die es so noch nie gegeben hat. In einer derartigen Situation lassen sich große Überraschungen zumindest nicht vollständig ausschließen.

Richard Nitzsche: Makler und Autor von Mietercoach.de
Autor: Richard Nitzsche (M.Sc.) ist Immobilienmakler in Frankfurt und Autor des Ratgebers „Der Mietercoach“

Entspannung in einzelnen Mikrolagen und Marktsegmenten nicht spürbar

Die aktuelle Erhebung von Sprengnetter bieten bestenfalls eine vorsichtige Grundlage für einen Verhandlungsansatz beim Immobilienkauf. In zahlreichen Mikrolagen und den meisten Marktsegmenten (Villen, Mehrfamilienhäuser usw.) dürfte die sogenannte Entspannung noch nicht angekommen sein. Hier bedarf es mehr als einen leichten Rückgang im Gesamtmarkt – denn die Nachfrage nach Immobilien bleibt weiterhin enorm. Solange sich die Immobilie verkauft, wird der Preis nicht fallen – solange ein Mieter gefunden werden kann, wird das Mietlevel in der speziellen Mikrolage nicht sinken.

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Makroökonomisches Umfeld weiterhin positiv für die Immobilienpreise 

Dabei sind die Rahmenparameter für die Investition in Wohnimmobilien weiterhin positiv: Die Finanzierungszinsen bleiben niedrig bei hoher Aktivität (laut der Sprengnetter-Veröffentlichung), alternative Investments sind rar gesät, Börsen erleben eine hohe Volatilität, das Vertrauen in Cash und den Euro sinkt, sodass die Anlage in Betongold von allen „Übeln“ derzeit das Kleinste scheint.