200.000 Mieter in Not: Corona-Kündigungswelle bedroht Immobilienmarkt (Immobilien-Thema der KW48/2020)

Immobilien-Themen: Kaufnebenkosten

Zeigen sich die ökonomischen Folgen der Corona Pandemie jetzt doch im Immobilienmarkt? Bereits vergangene Woche hatten wir eine Analyse der Immobilienanzeigen in den Portalen diskutiert. Nach der Erhebung sind in den deutschen Großstädten und auf dem Land die Kaufpreise gefallen. Zudem mussten die Mietpreise in den Großstädten einen Dämpfer hinnehmen – bei steigendem Angebot. In dieser Woche berichtet nun die Frankfurter Allgemeine Zeitung über eine potenzielle „Welle von Wohnungskündigungen“.

Frankfurt: Rund 200.000 Mieter von Wohnungskündigungen bedroht
Das Blatt bezieht sich auf Informationen des deutschen Mieterbundes. Aktuell seien rund 200.000 Mieter (100.000 Haushalte in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet) auf dem Weg in die private Liquiditätskrise.
Eigentümer zeigen sich nervös und kündigen schnell, sobald der Mieter mit zwei Kaltmieten in Zahlungsverzug gerät. Besorgniserregend ist die Erkenntnis, dass sich die ökonomischen Folgen, die durch die Corona Pandemie entstanden sind, nun auch in weitere Branchen übertragen – exemplarisch nennt Mieterschützerin Eva-Maria Winckelmann im F.A.Z.-Bericht die Deutsche Lufthansa. Hier droht tausenden Arbeitnehmern die Kündigung durch das Unternehmen. In der Folge könnten die Mieter ihre Miete nicht mehr bezahlen, würden in die Zahlungsunfähigkeit rutschen. Fristlose Kündigungen der Mietverträge wären die Folge.

Zudem könnten Mietern auch Eigenbedarfskündigungen drohen. Viele Vermieter versuchen nicht mehr nur für ihre Kinder, sondern auch für Neffen und Nichten, die selbst in eine günstigere Wohnung ziehen müssen, mit Hilfe von Eigenbedarf zu kündigen“, wird die Mieterschützerin von der F.A.Z. zitiert.

Immobilien-Crowdinvesting mit BERGF??RST Immobilienmarkt bisher robust
Der Immobilienmarkt war bislang nicht nur unberührt von den Auswirkungen der Pandemie, die Preise hatten sogar zugelegt – zur Überraschung vieler Ökonomen, die bereits zu Beginn der Krise Anfang des Jahres einen Preisverfall im zweistelligen Prozentbereich vorhergesagt hatten.

Investoren hatten jedoch häufiger darauf hingewiesen, dass sich die Konjunkturzyklen auf den Immobilienmarkt langfristig übersetzen. In diesem Zusammenhang beachtenswert ist ein Interview mit dem bekannten Investor Jakob Mähren aus dem April. Er betont explizit, dass sich der Schock verursacht durch die Krise erst zeitversetzt auf Mieten und Kaufpreise, sowie auf den Immobilienmarkt in seiner Gesamtheit, auswirken könne. Er rät zur vermehrten Liquiditätshaltung. Gleichzeitig warnt er, ein Abschwung im Immobilienmarkt könnte von Dauer sein: Die Erholung im Immobilienmarkt sei träge, ein Immobilienabschwung werde nicht bereits nach sechs Wochen beendet sein.

Richard Nitzsche: Makler und Autor von Mietercoach.de
Autor: Richard Nitzsche (M.Sc.) ist Immobilienmakler in Frankfurt und Autor des Ratgebers „Der Mietercoach“

Immobilienmarkt: Schnäppchenjäger können wieder hoffen…
Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich, die aktuellen Entwicklungen kritisch zu betrachten. Eine Entspannung der Nachfrage nach Wohnimmobilien zum Kauf lässt sich aktuell noch nicht feststellen.

Dennoch scheint es wieder möglich, dass sich Kaufinteressenten auf der Suche nach Schnäppchen-Immobilien, perspektivisch häufiger an Notverkäufen erfreuen könnten. Schnäppchenjäger im Immobilienmarkt hatten sich ebenfalls zu Jahresbeginn bereits warm gelaufen – bei weiter anziehenden Immobilienpreisen liefen ihre mehr oder minder redlichen Bemühungen jedoch im weiteren Jahresverlauf ins Leere. Bislang.

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