Endlich Antwort vom Vermieter erhalten: Anfragen auf Immoscout, Immowelt & Co richtig formulieren

Sie haben Anfragen über Anfragen an Vermieter auf Immoscout, Immowelt oder einem anderen Portal abgeschickt, doch erhalten nur wenige oder gar keine Antworten? Damit sind Sie nicht allein. Viele Mieter wundern sich, warum ihre Anfragen nicht beantwortet werden; sie suchen seit Monaten, vielleicht sogar seit Jahren ohne erfolg eine neue Wohnung zur Miete. Im folgenden Beitrag erkläre ich Ihnen, warum Sie keine Antwort auf Ihre Anfragen erhalten und wie Sie Portalanfragen, beispielsweise auf Immowelt oder Immobilienscout, formulieren müssen, damit der Anbieter auf ihre Anfrage für die Mietwohnung reagiert. 

1. Unvollständige Angaben in der Mieteranfrage: Füllen Sie das Kontaktformular vollständig aus

Stellen Sie dem Vermieter so viele Angaben, wie möglich zur Verfügung. Sie, als Mieter, wollen etwas vom Anbieter: Sie wollen in die Besichtigung eingeladen werden und in eine Position gelangen, in der Sie entscheiden können, ob das Wohnungsangebot für Sie das Richtige ist und ob Sie die Wohnung mieten wollen. Bringen Sie sich in eine Position, in der Sie eine aktive Rolle bei der Entscheidungsfindung einnehmen. Füllen Sie deshalb das Kontaktformular bei Immowelt, Immoscout oder einem anderen Portal vollständig aus – hinterlegen Sie auch Ihre Adresse. Diese wird zwar eigentlich nicht benötigt, aber es macht einen besseren Eindruck und hebt Ihre Anfrage von anderen, leeren Portalanfragen ab. 

2. Keine Kritik am alten Vermieter oder der alten Wohnung üben: Formulieren Sie positiv

Wenn Sie in einer Anfrage schreiben „Ich brauche dringend eine neue Wohnung, weil meine alte Wohnung schimmelt.“ – dann liest der Vermieter in Ihrer Anfrage: „Ich bin ein Mieter, der Probleme macht, der nicht lüftet und der an den Heizkosten spart. Deshalb schimmelt seine Wohnung. Er wird die Miete mindern“
Kein Vermieter möchte sich Probleme einmieten die ihn Zeit und Geld kosten. Stellen Sie sich vor, sie sind in einem Bewerbungsgespräch für einen Arbeitsplatz – eine Wohnungsbesichtigung ist nichts anderes – und erzählen den Vermieter, dass Ihr letzter Arbeitgeber wirklich furchtbar war. Oder schlimmer: Sie schreiben das bereits in die Bewerbung. Versetzen sie sich in die Lage des Anbieters: Das macht keinen guten Eindruck, oder? Gehen Sie deshalb in Ihren Anfragen proaktiv auf den Anbieter zu. Formulieren Sie positiv. Fragen Sie sich, welche Informationen für den Vermieter wichtig sind, und geben Sie ihm diese im Text Ihrer Anfrage.

3. Den Text Ihrer Anfrage geschickt formulieren: Alle Informationen für den Vermieter einfügen

Für den Vermieter ist es einfach, Ihre Anfrage wegzuschieben. Vielleicht bekommt er einige hundert Anfragen für das Wohnungsinserat. Warum sollte er genau Ihre Anfrage auswählen und Sie zum Besichtigungstermin einladen? Ich gebe Ihnen hier die Antwort: Weil er damit rechnet, dass Sie die Wohnung auch mieten werden. Als Mietinteressent möchten Sie Wohnungen besichtigen. Der Vermieter möchte jedoch möglichst wenige Wohnungen besichtigen und möglichst schnell einen Vermieter finden. Diese Informationen sollten Sie ihm geben, damit er Ihr Gesuch einschätzen kann:

  • Wieviele Personen ziehen in dem Haushalt ein?
  • Ab wann kann ein Mietvertrag unterschrieben (und Miete bezahlt) werden. Mieter scheuen sich, einen festen Termin anzugeben, dabei ist dies eines der wichtigsten Punkte bei der Entscheidungsfindung.
  • Welcher beruflichen Tätigkeit gehen Sie nach und wieviel verdienen Sie dabei?
  • Wie hoch ist Ihr Haushaltsnettoeinkommen. Dabei sind auch sonstige Einkünfte interessant, beispielsweise Kindergeld, Bafög, usw.
  • Seit wann arbeiten Sie in Ihrem Beruf?(Sind Sie arbeitslos? Dann lassen Sie die diese Angabe einfach weg)

Suchen Sie jetzt Beispiele, wie eine Anfrage auf Immoscout, Immowelt, Ebay-Kleinanzeigen usw. am Besten geschrieben wird? Ich habe in meinem Ratgeber einige Beispiele für Mieter aufgelistet. 

Richard Nitzsche: Makler und Autor von Mietercoach.de
Autor: Richard Nitzsche (M.Sc.) ist Immobilienmakler in Frankfurt und Autor des Ratgebers „Der Mietercoach“

4. Achten Sie darauf, an wen Sie welche Anfrage senden. Hinterlassen Sie bei Vermietern und Anbietern einen guten Eindruck

Mieter senden gerne inflationär ihre Anfrage an jedes Inserat, das halbwegs auf ihr Gesuch passen könnte. Oft senden Interessenten jedoch auch Anfragen, bei denen schon vorab zu erkennen ist, dass diese nicht passen. Sie öffnen einfach Immobilienscout oder Immowelt, und klicken sich von oben nach unten durch die Liste der Mietangebote ihrer Stadt.

Findet der Anbieter, weil er mehrere Inserate betreut, die selbe Anfrage für eine 2- Zimmer-Wohnung und für eine 4-Zimmer-Wohnung, weiß er, dass er an Sie vermutlich nicht vermieten wird. Sie wissen ja selbst nicht, wonach Sie suchen. Er weiss gleichzeitig, dass Sie vermutlich dutzende Anfragen abgeschickt haben.

Häufig werden auch Wohnungsangebote mit einer hohen Distanz gleichzeitig angefragt. Ich erhalte beispielsweise eine Anfrage vom selben Interessenten (die SELBE Anfrage) in Frankfurt WEST und Frankfurt OST. Die Anfrage formuliert im Text: Die Lage ist für uns optimal. FAIL. Sie entlarven sich selbst als Lügner. Also arbeite ich mit den Interessenten zusammen, von denen ich glaube, dass sie ehrlich sind. 

 Noch schlimmer: Sie ärgern sich darüber, dass Sie keine Antwort auf ihre Anfrage bekommen, und bewerten den Anbieter deshalb schlecht. In diesem Moment brennen Sie ihren VOR und NACHNAMEN in das Langzeitgedächtnis des Anbieters – der Anfragen, die Ihre Kontaktdaten beinhalten nach einer Zeit wieder löschen muss. Mit einer schlechten Bewertung bleiben Sie jedoch präsent, sodass sich der Anbieter an Sie erinnert. Er wird Sie grundsätzlich dann nicht in die Besichtigung einladen – egal, um welches Wohnugnsangebot es sich handelt oder ob Ihr Profil hier passen könnte. Die Erinnerung kann Jahre überdauern, selbst wenn nach Datenschutzgrundverordnung schon lange alle Ihr Daten aus der Datenbank des Anbieters gelöscht sind.

Schließlich haben Sie schon einmal beweisen, wie Sie sich als Mieter verhalten werden, wenn Sie ihren Willen nicht bekommen.

Viele Anfragen werden übrigens nicht (mehr) bearbeitet, weil das Angebot bereits in der Bearbeitung des Vergabeprozesses recht weit fortgeschritten ist. Bislang hatte der Makler oder Vermieter vermutlich keine Vorbehalte gegen Ihre Person. Mit einer negativen Bewertung gegen den Anbieter machen Sie es persönlich. Das selbe gilt im Übrigen für unangemessenes Verhalten in der Besichtigung, aber das ist ein für sich genommenes Thema. 

5. Beispiele für NO GOS: So sollten Sie die Anfrage nicht stellen

„Guten Tag Frau Müller, ich interessiere mich für ihr Wohnungsangebot“ – NO GO, wenn Sie vergessen haben, die Anrede zu ändern und Frau Müller in dem Unternehmen gar nicht arbeitet. Die Steigerung davon ist übrigens, wenn Sie sich auch noch auf das angenehme Telefonat beziehen. 

„Ich hab‘ Schimmel in der Wohnung“ (oben schon mal diskutiert) NO GO!

„Ich suche DRINGEND eine Wohnung“, stellen Sie sich vor, Sie sitzen im ersten Daten und sagen zu Ihrem potenziell neuen Partner „Ich suche DRINGEND eine Beziehung.“ – nicht so förderlich für den Ausgang des Abends. 

„Hallo, Du Wohnung?“, es geht dabei nicht darum, dass der Mietinteressent die deutsche Grammatik nicht beherrscht – Internationale Mieter sind übrigens gerade in er Großstadt gern gesehen. Nein, Sie suggerieren mit diesem grotesk falschem Text, dass Sie sich mit den Angaben im Inserat nicht befasst haben. 

„Ich brauch dringend eine neue Wohnung, mein Freund schlägt mich.“

„Die Miete zahlt das Jobcenter“ (wenn das zutrifft, erwähnen Sie das bei Privatvermietern nicht, sprechen Sie stattdessen von einem gesicherten Einkommen). So, wie beschrieben, suggeriert der Satz, dass das für Sie auch völlig in Ordnung ist und Sie gar nicht vor haben, wieder in eine Beschäftigung zu kommen. Über solche Formulierungen regen sich gerne die Eigentümer auf, die in besonders hohen Steuerklassen eingestuft sind (fast alle), und mit ihren Abgaben auch derartige Subventionen querfinanzierten. 

„Kann man an der Miete noch was machen?“ Alternativ „Die Wohnung ist gut, aber der Mietpreis ist zu teuer.“