Trifft die Inflation den Immobilienmarkt?

Inflation Immobilienmarkt

Die Inflation liegt wie ein Schatten über dem Immobilienmarkt und der deutschen Volkswirtschaft. Nicht nur an den inzwischen heißgelaufenen Wertpapierbörsen wird Inflation inzwischen immer wieder zum Thema. Nachdem die Notenbanken den Markt weiterhin mit Geld versorgen, scheint das Schreckgespenst sukzessive das Herz unserer Volkswirtschaft zu erreichen. In einem früheren Beitrag hatten wir schon einmal beleuchtet, wie sich Inflation auf Immobilien auswirkt. Obgleich es sich bei Wohnimmobilien um Vermögenswerte handelt, die einen gewissen Inflationsschutz mitbringen, ist auch für Immobilieninvestoren Vorsicht geboten. Zum Jahreswechsel analysierte Prof. Dr. Hans-Werner Sinn in in seinem Vortrag „Corona und die wundersame Geldvermehrung in Europa“ die aktuellen Vorgänge. Er sprach eine vorsichtige Warnung aus, betonte jedoch, dass aber unter Umständen auch Jahre vergehen können, bis die Inflation das Portemonnaie der Bürger erreicht. Problematisch sieht er dennoch, dass sich die EZB durch die Geldpolitik in die Handlungsunfähigkeit manövriert habe. Den Notenbankern bliebe insofern kaum eine Chance, das System im Falle eines deutlichen Inflationsschubes wieder „an die Leine zu nehmen.“
Andere Ökonomen haben die Inflation aktuell dagegen schon ausgerufen. Ihre Motive sollten tiefer analysiert werden. 

Werbung oder Realität: Ist die Inflation wirklich „da“?
In einem neueren Beitrag, einer Gesprächsrunde zwischen Dr. Markus Krall, Dr. Markus Elsässer und Marc Friedrich, heisst es: Die Inflation ist da! Der Beitrag geht unter anderem auf massive Preissteigerungen der Baustoffe ein. Unternehmen hätten bereits begonnen, Baustoffe zu Hamstern, um Angebotspreise an ihre Kunden kalkulieren zu können. Dieser Vorgang wäre die „nächste Stufe“ der Inflation, während bereits die Preise an den Aktienbörsen und Immobilienmärkten in die Höhe geschnellt seien. Teuere Herstellungskosten treiben die Preise von Neubauten.


Krall und Friedrich sind beide für ihre düsteren Prognosen bekannt. Sie glänzen außerdem durch ihr Talent, mit dem Stoff eine Menge Bücher zu verkaufen. So ist Vermögensverwalter Marc Friedrich der Verfasser des Bestsellers: Der größte Crash aller Zeiten.  Im Rahmen der Buchpromotion im November 2019 sogar zu Gast bei Maybritt Illner. Friedrich setzt seine Ratschläge mit einer Honorarbetratung um. Seine Prognosen funktionieren daher auch grundsätzlich durch ihre Werbewirkung. Zugegebenermaßen hatte er mit seiner Idee, in Sachwerte zu Investieren, den richtigen Riecher. Friedrich setzte früh auf Bitcoin und Gold.   Sein gerade erst erschienener Titel firmiert nun unter „Die größte Chance aller Zeiten.“ 

Prof. Michael Voigtländer (IW Köln): Inflationäres Tempo der Preissteigerung unwahrscheinlich
Unaufgeregter und mit besonderem Fokus auf die Entwicklung im Immobilienmarkt beschreibt Prof. Michael Voigtländer die aktuelle Situation: Im Rahmen seines Vortrages bei der 2. Immobilienkonferenz des IVD-Mitte digital äußert er sich zu Inflationstendenzen und dem Immobilienmarkt. Voigtländer kommentiert das Anziehen der Inflation im abgelaufenen Quartal Q1/2021, die Preissteigerung sei Sondereffetkten geschuldet, nachdem die Mehrwertsteuer von 16 Prozent auf die ursprünglichen 19 Prozent angehoben wurde. Von einer dauerhaft steigenden Inflationsrate geht der Wissenschaftler des IW Köln nicht aus. Die Preissteigerung werde nicht in ein inflationäres Tempo umschlagen, glaubt er. 

Aktuelle Steigerungen des VPI im Überblick
Der Verbraucherpreisindex (VPI) im März 2021 ist laut statistischem Bundesamt um 1,7 Prozent (verglichen mit dem Vorjahresmonat) geklettert. Dies ist die größte Steigerung der Verbraucherpreise seit Februar 2020. Im Februar hatte der Index um 1,3 Prozentpunkte zugelegt, im Januar 2021 wurde 1 Prozent, verglichen mit Januar 2020, gemessen. Hier sind jedoch auch Aufholeffekte zu berücksichtigen, zwischen August und Dezember waren die Verbraucherpreise, bedingt u.a. durch eingeschränkte Möglichkeiten des Konsums in der Pandemie, gefallen.