Sollte man in ein Hochhaus ziehen? Vorteile und Nachteile von Wohnen und Mieten im Wohnhochhaus

Wohnen im Hochhaus ist bei Deutschen traditionell unbeliebt. Mietwohnungen in Wohnhochhäusern werden häufig mit Ghettoisierung verbunden, mit Kriminalität und Plattenbau-Charme. In Zeiten von knappen Grundstücken und Wohnungsnot löst das Hochhaus aber wesentliche Probleme: Es schafft wichtigen Wohnraum. Blicken wir auf die Weltmetropolen: Hongkong, Dubai, New York – überall ist das Wohnen im Hochhaus gesetzt, nur der Deutsche kann sich nicht daran gewöhnen. Wäre hier nicht langsam Zeit für ein Umdenken?

Wenn Sie sich gerade fragen, ob Sie in ein Wohnhochhaus ziehen sollten, habe ich folgend die wichtigsten Vorteile und Nachteile für Sie zusammengestellt. 

Verglichen mit dem Wohnen in einer herkömmlichen Wohnung, hat das Wohnhochhaus echte Vorteile: 

Vorteil 1: Günstige Mietpreise!
Abgesehen von den wenigen Luxushochhäusern, die in den Toplagen der Großstädte gerade hochgezogen werden, sind Wohnungen im Wohnhochhaus im Regelfall erschwinglich zu bekommen. Verglichen mit herkömmlichen Wohnungen, bspw. In einem viergeschossigen Wohnhaus, werden die Wohnungen meist günstiger vermietet, der Mieter muss für die selbe Wohnfläche weniger bezahlen oder erhält fürs gleiche Geld mehr Wohnraum.

Vorteil 2: Herrlicher Fernblick
Während Mieter in Innenstadtbereichen der Großstädte normalerweise die wundervolle Aussicht auf die Hauswand des Nachbarn genießen dürfen, haben Bewohner von Wohnhochhäusern freien, unverbaubaren Blick über die Stadt; bei Tag und bei Nacht. Zum günstigen Wohnraum erhalten Mieter in den hohen Stockwerken ein atemberaubendes Panorama. Es gilt die Devise: „Man schaut nicht drauf, sondern raus!“

Ausblick aus dem Hochhaus / 13.Stock
Hier zeige ich Ihnen einmal das Foto einer meiner Vermietungen. Der Ausblick aus dem 13. Stock in die Ferne. Eine tolle Aussicht, oder?

Vorteil 3:  Bessere Wohnqualität im Wohnhochhaus
Wohnhochhäuser sind üblicherweise hervorragend strukturiert. Während Mieter in kleiner Einheit häufig auch mal auf einen Waschraum oder einen Parkplatz verzichten müssen, bringen Hochhäuser die wichtige Infrastruktur mit – da diese zwingend vorgeschrieben ist, um eine Baugenehmigung für Großprojekte zu erhalten. 

Vorteil 4: PKW-Stellplätze / Parkmöglichkeiten normalerweise vorhanden
Insbesondere das Vorhandensein von ausreichend Parkmöglichkeiten am Objekt ist für die Mieter bequem. Häufig sind die Stellplätze überdies auch noch für wenig Geld zu mieten. 

Vorteil 5: Aufzug ist vorhanden
Ein Wohnhochhaus darf nur mit Aufzug gebaut werden. Vergessen Sie das Schleppen von Einkäufen in den 3. Stock – das im Frankfurter bzw. Berliner Stilaltbau notwendig wird. Der Fahrstuhl bringt Sie bequem nach oben. 

Vorteil 6: Klare Strukturen – Treppenhausreinigung / Winterdienst, usw.
Die Hausverwaltung regelt Reinigung, Winterdienst, usw. Im Hochhaus muss sich kein Mieter um die Treppenhausreinigung oder den Winterdienst kümmern. Es existiert immer ein Hausmeisterservice, die Mieter über die Nebenkosten, Eigentümer mit dem Hausgeld bezahlen. 

Allerdings sind einige Nachteile des Hochhaus-Wohnens nicht von der Hand zu weisen

Nachteil 1: Schlechtes Image
Solange sich das Image des Wohnhochhauses in Deutschland nicht gewandelt hat, müssen Sie mit dem zweifelhaften Ruf der Gebäude leben. „Du wohnst wirklich in so einem Kasten?“, könnten ihre Freunde sagen, „ist das hässlich!“

Nachteil 2: Große, vielschichtige Hausgemeinschaft
In großen Wohneinheiten prallt eine ebenso vielschichtige Hausgemeinschaft aufeinander. Hier können sich Konflikte aufbauen. Unter Umständen ist ein bestimmtes Gebäude von eingeschworenen Communities regelrecht besetzt. Zwar lässt sich eine derartige Communitysierung auch in bestimmten Blocks oder Stadtvierteln finden, dort ist sie jedoch zumindest flächenmäßig ausgedehnt. Im Regelfall achten Wohnungsgesellschaften auf eine ausreichende Durchmischung der Bewohnerklientel.
Problematischer sind Wohnhochhäuser, bei denen Eigentumswohnungen abverkauft werden. So ziehen über die Jahre die Freunde der aktuellen Bewohner ein, diese bringen dann wieder ihre Freunde mit, und die Klientel wird zunehmend homogener. Daher empfiehlt es sich, genau zu recherchieren, welche Bewohner bereits im angepeilten Hochhaus wohnen und ob eventuell offene Konflikte oder Rivalitäten existieren. 

Nachteil 3: Höhenangst
Viele Mieter haben Höhenangst. Bringen sie diesen Zwang mit, ist das Wohnen im Wohnhochhaus für Sie keine Alternative. Zumindest in den oberen Stockwerken würden Sie sich auf dem Balkon nicht wohl fühlen, bekommen vielleicht Magengrummeln, wenn Sie aus dem Fenster sehen. 

Nachteil 4: Brandschutz / Angst vor Feuer im Hochhaus
Zwar existieren für Wohnhochhäuser in Deutschland ausgefeilte Brandschutzkonzepte. Dennoch bleibt die Sorge vor einem Brand im Hochhaus, der sich von unten durch die einzelnen Stockwerke nach oben frisst und die Bewohner einsperrt. Insbesondere wenn sie schlecht zu Fuß und auf den Fahrstuhl angewiesen sind, kann die Angst vor einem Brand im Gebäude die Lebensqualität so sehr einschränken, dass Sie sich niemals richtig wohlfühlen würden. An dieser Stelle sei gesagt: Das Risiko ist sehr gering!

Der Chef der Wohnungsgesellschaft Deutsche Wohnen mahnt in der Wirtschaftswoche, mehr Wohnhochhäuser seien die Lösung im Kampf gegen hohe Mietpreise. Über die Verdichtung in die Höhe sollte nachgedacht werden. 

Meine persönliche Sichtweise hat sich im Laufe meiner Karriere als Immobilienmakler übrigens vollständig verändert. Zu Beginn hätte ich mir nicht vorstellen können, in einem Wohnhochhaus zu leben. Doch meine Vermietungsaktivitäten führten mir immer wieder die herrliche Aussicht und das hervorragende Preis-Leistungsverhältnis der Wohnungen vor Augen. Es ist eine echte Alternative, von der es sich lohnt, darüber nachzudenken – insbesondere wenn Sie über ein knappes Budget oder Ihr Geld gerne anders investieren möchten.

Richard Nitzsche: Makler und Autor von Mietercoach.deZum Autor:
Richard Nitzsche ist Immobilienmakler und Verfasser des Ratgebers „Der Mietercoach“.