Mietvertrag bekommen: Wie teuer darf die Wohnung sein, um eine Zusage zu erhalten?

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Wie viel muss man verdienen, um die Zusage für eine Wohnung zu erhalten? Diese wichtige Frage für die Bewerbung und die Wohnungsvergabe sollte im Kontext der Lage und Größe der Immobilie und weiterer Kriterien betrachtet werden, die Vermieter an den Mietinteressenten anlegen. Dieser Beitrag beantwortet die Frage, wieviel Einkommen Vermieter vom Mieter erwarten – also wieviel Miete sich der Mieter leisten kann. 

 „Wie viel Miete für meine neue Wohnung kann ich mir leisten?“ diese Frage stellen sich viele Mieter auf Wohnungssuche. Häufig haben sie die neue Wohnung gefunden und rätseln nun: „Reicht mein Verdienst aus, um eine Zusage zu bekommen?“ Die Mieter sind dann auf die Frage nach dem Verdienst manchmal so fixiert, dass sie andere potenzielle Kriterien, die der Vermieter an sie stellen könnte, nicht wahrnehmen oder untergewichten. Dazu aber unten mehr… 

Früher galt: Ein Drittel des Haushaltsnettos soll maximal für die Miete ausgegeben werden…

 Das Nettoeinkommen besteht aus dem versteuerten Verdienst, also dem Einkommen, das das Konto des Mieters erreicht addiert um eventuelle Zuschüsse (Kindergeld, Halbweisenrente, Bafög, usw.). 

Heute ist diese Faustregel nicht mehr so anzuwenden, weil die Mieten – gerade in den Großstädten – stark gestiegen sind; sogar punktuell stärker als die Löhne. Insofern akzeptieren viele Vermieter gemessen am Nettoeinkommen auch eine höhere Mietbelastung ihrer zukünftigen Mieter, wenn das Gesamtpaket stimmt. Das trifft insbesondere zu, wenn Mieter auf eine Zusage für besonders kleine Wohnungen in den Innenstädten warten. 

Ein Beispiel für geringeres Einkommen: Der Mietinteressent (1 Person) ist in der Ausbildung. Er verdient hier 650 Euro netto und erhält noch diverse Zuschüsse, sodass er ein Einkommen von 1.200-1.300 EUR im Monat zur Verfügung hat. Für kleine Wohnungen in den zentralen Lagen von Frankfurt (ich bin in Frankfurt als Makler unterwegs) werden  im Regelfall (warm) zwischen 600 EUR und 750 EUR fällig. Meine Vermieter würden den beschriebenen Mietinteressenten (im Regelfall) aber trotzdem akzeptieren. Wenn das „Gesamtpaket“ stimmt, ist der Vermieter also häufig bereit, auch auf eine höhere Mietbelastung gemessen am Einkommen einzulassen. 

Was versteht der Vermieter unter „Gesamtpaket“?
Wie oben erwähnt, vernachlässigen Mieter aus Fixierung auf das Einkommen andere Kriterien, die der Vermieter an eine Zusage für die Wohnung, also an die Wohnungsvergabe, stellen könnte. Dabei handelt es sich unter anderem um den Zeitpunkt des Einzugs, ob die Kaution in Cash hinterlegt werden kann, ob Eltern oder nahe Verwandte den Vertrag mit unterzeichnen würden oder ob sich der Mietinteressent gut in die übrige Mieterstruktur des Hauses einfügt. Auch betrachtet der Vermieter bzw. der Makler das Verhalten des Mieters in der Besichtigung: Ist er zuverlässig (kommt er bspw. pünktlich zum Termin), Wirkt er umgänglich? Wie lange wird der Mieter in die Wohnung bewohnen? Ist anzunehmen, dass er die Wohnung weiter bewohnt, auch wenn er sich die Miete nicht mehr leisten kann oder geht der Eigentümer in diesem Fall von einer geräuschlosen Räumung der Mietsache aus. 

 Wie viel Miete kann ich mir leisten?
Mieter sollten sich bei jeder Wohnungsbewerbung im Vorfeld klar werden, ob sie einem Dritten (also dem Vermieter oder dem Makler) sinnvoll kommunizieren können, dass sie sich die Miete bzw. die Wohnung leisten können. Fragen Sie sich: Wieviel verdiene ich sicher? Wie hoch ist die Miete? Wie viel Geld benötige ich zum Leben? Können Sie das darstellen und aufzeigen, sodass der Vermieter ein gutes Gefühl hat und Sie einmieten würde – auch wenn die Betriebskosten (bspw. nach einem kalten Winter) um 50 EUR steigen. Mehr interessiert Eigentümer grundsätzlich im Hinblick auf das Einkommen des Mieters nicht. Sie wollen lediglich den Zahlungsstrom, den sie aus der Wohnung heraus erhalten, sicher wissen. Beantworten Sie diese Frage mit JA, können Sie sich die Miete leisten. Ihre Chancen auf eine Zusage sind in diesem Fall gut, wenn sie sich selbst nicht bei den weiteren Anforderungen wieder aus Spiel nehmen. 

Der Autor: Richard Nitzsche ist seit 2012 Immobilienmakler in Frankfurt. Er ist Experte für die Wohnungssuche und Autor des Ratgebers Der Mietercoach: Ihre neue Wohnung SUCHEN – FINDEN – BEKOMMEN, sowie des gleichnamigen Immobilienblogs. Als Experte zur Wohnungssuche und zum Immobilienmarkt ist Nitzsche regelmäßig in den überregionalen Medien präsent.