Immobilienmakler abgesetzt: VOX beerdigt „mieten, kaufen, wohnen“

mieten,kaufen,wohnen abgesetzt

Nie wieder makelei am Vorabend. Der Fernsehsender VOX nimmt die beliebte Makler-Soap „mieten, kaufen, wohnen“ ab 5.September aus dem Programm. Fans trauern. Für viele Zuschauer hatte die virtuelle Besichtigungstour einen festen Platz im Fernsehprogramm. Deutschlands beliebteste Immobilien-Animateure präsentierten seit 2008 frei erfundenen Interessenten, immerhin, echte Wohnungen. Die Pseudo-Doku erlangte Kultstatus. Wie kein zweites Medium prägte VOX mit „mieten, kaufen, wohnen“ die öffentliche Wahrnehmung des Maklerberufes.

„mieten, kaufen, wohnen“ prägte das Image des Maklerberufes, oft negativ  

Ein bisschen Aufschließen hier, ein netter Smalltalk dort; viel Bling, Bling und wenig Kompetenz suggerierten den Zuschauern, dass es ziemlich einfach sein muss, in der Maklerbranche durchzustarten. Das Geld liegt im Maklerbusiness praktisch auf der Straße.

Der Mietercoach - endlich die neue Wohnung finden

Auch reale Meldungen über die Makler-Mimen konnten die gefestigten Vorurteile nicht aufweichen:  Ein TV-Makler hatte Probleme mit dem Ausgleich seiner Rechnungen, schuldete einem Lebensmittel-Unternehmen 500 Euro – trotz Gage von VOX!

Die Lebensläufe der TV-Vermittler strotzen vor Kompetenz: Lehramtsstudium für Germanistik und Kunst, wird zu Darstellerin im Big-Brother-Container, wird zu Immobilienmaklerin mit eigenem Unternehmen. Genau so möchte die Maklerbranche von Publikum und potenziellen Kunden gesehen werden. Nicht.

Makler-Science-Fiction hatte mit „Doku“ wenig gemeinsam

Die harte Arbeit, die hinter jedem abgeschlossenen Immobiliendeal steckt, und das fachliche Know-How, das seriöse Immobilienmakler mitbringen (sollten), wurde von VOX in den vergangenen acht Jahren bei weit mehr als 1000 Folgen konsequent rausgeschnitten.

Im täglichen Business müssen Maklerbüros Bewerber für Praktiums- und Leerstellen zunächst aufklären, dass sich der Beruf anders gestaltet, als diese nach jahrelangem „mieten, kaufen, wohnen“-Konsum erwarten. Manch schlechter Azubi macht schon die Grätsche, wenn er das Kleingedruckte eines Standard-Mietvertrages lesen (und verstehen) soll. So komplex habe man sich das nicht vorgestellt. Und die obligatorische Rolex lag auch nicht am Arbeitsplatz bereit…

„mieten, kaufen, wohnen“ – wir werden Dich trotzdem vermissen! 

Über Tote sollte man nicht schlecht reden. Immerhin beleuchtete die sterbende Makler-PR-Maschine von VOX über Jahre hinweg das zwischenmenschliche Miteinander im Maklerberuf. Zu jedem abgeschlossenen Geschäft gehört eine persönliche Kundenbeziehung.

Bis die Kunden (endlich) unterschreiben, entwickeln sie nicht selten ein ganz eigenes Verhalten. Mitunter sind die Stilblüten der echten „Interessenten in Aktion“ sogar noch abgedrehter, als die gescripteten Inhalte bei „mieten, kaufen, wohnen“. Der Makler muss dann (richtig) agieren und reagieren, um erfolgreich zu sein.

Ob auf Mallorca oder in Deutschland, die Fernseh-Vermittler warfen trotz der Allüren ihrer fiktiven Kundschaft niemals die Flinte ins Korn. Positiv und gutgelaunt starteten sie fröhlich in die nächste Besichtigung. Mit endloser Zuversicht ließen die Fernsehmakler ihr Publikum werktäglich schmunzeln.

Und deshalb wird „mieten, kaufen, wohnen“ vielen Zuschauern ernsthaft fehlen und auch die  echten Makler werden den unterhaltsamen Klamauk vermissen.

Bildquellen: fotolia.com | Urheber: psdesign1; Salomone

Über den Autor
Richard Nitzsche ist Immobilienmakler in Frankfurt und München und Autor des Ratgebers für Mieter auf Wohnungssuche: Der Mietercoach – Ihre neue Wohnung SUCHEN – FINDEN – BEKOMMEN. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge auf dem gleichnamigen Blog mietercoach.de und in der Wochenzeitung Frankfurter Stadtkurier.