Mieten: SPD will gesetzlichen Preisstopp

Bestellerprinzip beim Kauf: Immobilienmaklern droht der Exodus

Die von der sinkenden Wählergunst getriebene SPD legt im Kampf um die Zweitstimmen der Mieter noch einmal nach: Parteichefin Andrea Nahles will einen gesetzlich verankerten Preisstopp. Erst kürzlich hatte die SPD eine Vorlage zur Mietpreisbremse durchs Kabinett gedrückt. „Kein anderes Problem treibt den Menschen mehr Sorgenfalten in das Gesicht als die explodierenden Mietpreise“, zitiert die Deutsche Presseagentur (DPA) Nahles´ Brandrede im Bundestag. Mieter und Eigentümer, Politiker und die Immobilienbranche, blicken nun dem Wohnungs- und Mietengipfel entgegen, der am 21. September im Kanzleramt stattfinden wird.

Kampf um die Wohnung: Die neue soziale Frage?
Mieten und Wohnen polarisiert. Der Streit um die Wohnung in den Großstädten wird durch einseitige Medienberichte emotionalisiert und zur neuen sozialen Frage stilisiert.
Statt das komplexe Thema umfassend aufzubereiten, eskalieren Medien im Kampf um die Quote die ohnehin schon aggressive Stimmung. In der ARD-Talkshow „Maischberger“ am vergangenen Mittwoch treffen Bauunternehmer und Grünenpolitiker aufeinander: Baulöwe Christoph Gröner, hier als exemplarischer Vertreter der Immobilienbranche eingeladen, ist mit dem Bauen reich geworden. Im Privatjet pendelt er zwischen seinen drei Wohnsitzen. Kürzlich lies er sein ausschweifendes Leben vom Fernsehen dokumentieren, im Stil frei nach Donald Trump und Robert Geiss.

Link zur Folge von ARD/ Maischberger vom 12.09.2018 zum Thema „bezahlbare Mieten“.

Auf der anderen Seite der Maischberger-Sitzgruppe giftet der Berliner Stadtrat der Grünen Florian Schmidt. Er ist Gröners derzeitiger Intimfeind, will eines seiner Großprojekte verhindern. Florian Schmidt wohnt mit seiner Familie in einer kleinen Wohnung zur Miete. Er will Immobilienbesitzer und Wohnungsunternehmen enteignen, sobald diese „zu viel verdienen“. Eine herzallerliebste, ältere Dame ergänzt den Talk. Ihre Wohnung wurde „luxussaniert“. Die Miete nach der Sanierung war zu teuer, sie musste ausziehen.

Wie Medien die polarisieren
Das Millionenpublikum vor den Bildschirmen kann nicht erkennen, dass es sich bei allen drei Gästen um echte Sonderfälle ihrer Klasse handelt. Nur wenige Bauunternehmer und Immobilieninvestoren verfügen über mehrere Wohnsitze oder einen eigenen Jet. Die meisten Mieter in Deutschland leben in friedlicher Koexistenz mit ihrem Vermieter. Bei den Vermietern denen handelt es sich in 80 Prozent der Fälle um private Kleinvermieter, die finanziell häufig nur unwesentlich besser darstehen, als ihre eigenen Mieter. „Das Bild des reichen Vermieters, der armen Mietern gegenübersteht, ist eher eine Ausnahme als die Regel“, bestätigt auch Immobilienexperte Prof. Michael Voigtländer vom IW-Köln.

Der Mietercoach in der Zeitschrift Glamour

Der Zuschauer, der den seichten Abendtalk bis zum bitteren Ende ertragen hat, wird das Gegenteil unterstellen: Baubranche und Immobilieninvestoren bereichern sich in unanständiger Manier am kleinen Mann und jagen diesen dabei buchstäblich aus den Metropolen, um mehr Platz für Ihresgleichen zu schaffen – für wohlhabende Mieter und reiche Käufer.

Medienecho blendet auch Politiker
Auch Politiker sehen Talkshows. Auch sie lassen sich von dem Gesagten blenden, während sie das Ungesagte ignorieren. Die exorbitanten Mietanstiege, die die SPD mit ihrem Preisstopp bekämpfen will, spüren ausschließlich die (wenigen) Mieter, die seit Jahrzehnten in den top-Lagen der Innenstädte wohnen.

Recht auf Wohn-Luxus für jedermann?
Natürlich existiert in den Szenevierteln eine Wohnraumknappheit, natürlich ist hier die Nachfrage höher als das Angebot. Auch nicht jeder PKW-Nutzer kann sich einen Ferrari leisten. Stellen Sie sich folgendes Bild vor: Tausende PKW-Fahrer demonstrieren am Samstagvormittag in der Münchner Innenstadt für bezahlbare Luxus-Sportwagen, denn jeder Bürger sollte das Recht haben, einen Luxussportwagen zu fahren. In einer Talkshow beklagt zudem ein ehemaliger Ferrari-Fahrer, dass er sich die neue Modellreihe nicht leisten könne. Die Demonstranten würden sich der Lächerlichkeit preisgeben, der Ferrarifahrer bekäme kein Mitleid, auch nicht, wenn es sich bei dem Sportwagenfahrer um eine herzallerliebste ältere Dame handeln würde.Die Demonstration von Mietern für „bezahlbaren Wohnraum“ funktioniert. In gemeinschaftlicher Anstrengung ist es Medien und der Politik gelungen, ein Anspruchsdenken für Wohnraum zum kleinen Preis zu konstruieren. Dieser künstlich erschaffenen Fiktion fehlt die Unterscheidung zwischen schlichtem „Wohnen in der Stadt“ und „Wohnen in den Luxus- und Toplagen der Stadt“. In den Vororten und im Speckgürtel der Großstädte sind günstigere Wohnungen leichter zu bekommen.

Immobilienpolitik: Geradewegs am Wähler vorbei
Auf dem Land, nach nur einer Stunde Fahrzeit mit Auto oder Zug heraus aus den Metropolen, stehen die Immobilien reihenweise leer.  Zwei Drittel der deutschen Wähler lebt hier, in Dörfern oder In kleineren Gemeinden. Wohnungsnot? Fehlanzeige. Während die Sozialdemokraten die Wohnungsnot instrumentalisieren und um markige Pressetexte buhlen, werden auf dem Land die Wahlen entschieden –   sicher gehört hier die Forderung nach einem „sofortigen Mietpreisstop“ nicht zu den Programmpunkten, die Wähler in ihrer Entscheidungsfindung beeinflussen.

 

Richard Nitzsche ist Immobilienmakler in Frankfurt und München
Richard Nitzsche

 Der Mietercoach:  Richard Nitzsche ist seit 2012 Immobilienmakler in Frankfurt und München, Autor des Blogs http://www.mietercoach.de und Verfasser  des Ratgebers für Mieter auf Wohnungssuche „Der Mietercoach: Ihre neue Wohnung SUCHEN – FINDEN -BEKOMMEN“ . Er publiziert eine wöchentliche Immobilienmarktkolumne für den Mainhattan Kurier und ist regelmäßig als Experte für Immobilienthemen in den Medien präsent. Schreiben Sie Ihm auf Twitter oder Facebook