Die Wohnung bekommen: Verhalten in der Wohnungsbesichtigung

Wohnungssuche: Verhalten in der Besichtigung

Wollen Sie die Wohnung bekommen? Diese Frage sollten sich Interessenten vor der Wohnungsbesichtigung stellen und ihr Verhalten gegenüber Vermietern, Maklern und anderen Interessenten während der Besichtigung an der Antwort ausrichten. Viele Mietinteressenten verbauen sich die Chancen auf den Zuschlag für die Wohnung durch Fehlverhalten, das in vielen Fällen unbewusst abläuft und den Mietern in der Besichtigung selbst nicht auffällt. Schließlich fragt sich der Interessent: „Warum habe ich die Wohnung nicht bekommen?“ – obwohl das Gehalt vielleicht blendend ist und man sich selbst jederzeit als Mieter akzeptieren würde.

Wenn Sie auch nach dutzenden Besichtigungen und Bewerbungen nicht ausgewählt wurden, wenn sich die Wohnungssuche inzwischen über Monate hinzieht, könnte dies an ihrem Verhalten in der Besichtigung gelegen haben. Folgend zeige ich einige stereotype negativ-Verhaltensformen, die Immobilienanbietern immer wieder begegnen und die sich definitiv auf die Vergabeentscheidung auswirken. Es handelt sich um Beispiele, die Auflistung ist keinesfalls abschließend. Vielmehr geht es mir darum, dass Sie Gefühl für die Situation „Wohnungsbesichtigung“ zu bekommen. Noch tiefer ins Detail gehe ich in meinem Ratgeber für Mieter auf Wohnungssuche

Fragen Sie um des Fragens Willen oder suchen Sie ehrlich nach Lösungen für Probleme?

Richard Nitzsche: Makler und Autor von Mietercoach.de
Richard Nitzsche ist Immobilienmakler und Autor des Blogs mietercoach.de . Er ist Verfasser des gleichnamigen Ratgebers für Mieter auf Wohnungssuche Zur Wohnungssuche und als Experte für den Immobilienmarkt ist er regelmäßig in überregionalen Medien präsent: Mietercoach in der  GlamourWELTBR-tagesgespräch   .

Wenn der erste Teil des Satzes auf Sie zutrifft, wird Sie der Anbieter aussieben. Fragen Sie in der Besichtigung für eine Mietwohnung nach Dämmung, Bausubstanz oder der Beschaffenheit der Fenster? Zum einen fordern Fragen nach der Bausubstanz Antworten, die Makler und auch die meisten Vermieter (bei Eigentumswohnungen) im Regelfall in der Besichtigung nicht verbindlich beantworten können, weil sie in den seltensten Fällen vor Ausschreibung der Wohnung zur Miete Einsicht in die Bauakte nehmen. Beim Kauf einer Wohnung sind derartige Fragen dagegen durchaus interessant und der Verkäufer sollte auf sie vorbereitet sein.
Zweitens geht von den beschriebenen Rückfragen für das Mietverhältnis wenig Mehrwert aus. Warum fragen Sie nach der Beschaffenheit der Fenster, wenn Ihnen ein Blick auf den Fensterrahmen verrät, dass es sich um Einfachverglasung, Doppel-verglasung oder dreifach-Isolierverglasung handelt?  Sind Sie Bauingenieur und haben Sie vor, die Wärmedurchgangskoeffizienten (u) nach der Besichtigung aus Spaß an der Freude auszurechnen? Dann teilen Sie dies bei Ihrer Frage mit, damit der der Anbieter den Hintergrund Ihrer Frage erkennt und weiß, dass sie weder sein Wissen testen wollen, noch vorhaben, sich durch Ihre Frage implizit über die Beschaffenheit der Wohnung zu beschweren. 

Überlegen Sie vor Ihren Frage, ob Sie den Anbieter aufgrund eines vermeintlich unzureichenden Angebots in der Besichtigung vorführen wollen oder ob eine Frage in dieser Richtung falsch verstanden werden könnte.  

„Sind das wirklich 65 Quadratmeter?“, mit dieser Frage zeigen Sie, dass Sie spätestens nach der Schlüsselübergabe erstmal gründlich nachmessen werden und schon vor Einzug vorhaben, die Miete um die fehlende Differenz zu mindern. Als Steigerung dieser Variante erleben Immobilienanbieter häufig auch Interessenten im Termin, die direkt in der Besichtigung mit dem Zollstock die gesamte Wohnung vermessen (wollen), eventuell flankiert von einem beleidigtem Hinweis, dass im Inserat kein bemaßter Grundriss zu finden war.

Eine Erklärung am Rande: Anbieter gehen bei der Vermietung von Wohnraum ein hohes Risiko ein: Hat der Mieter den Vertrag unterschrieben, läuft das Mietrecht für ihn. Spitze Fragen offenbaren Diskussionspotenzial in der Besichtigung, das das spätere Mietverhältnis schwierig gestalten und für den Vermieter verteuern könnte. 

Der Ratgeber für Wohnungssuche und Wohnungsbewerbung
Der Ratgeber für Wohnungssuche und Wohnungsbewerbung

Wohnungsbesichtigung: So fragen Sie richtig!

Natürlich sollen Sie die für Sie wirklich wichtigen Fragen klären, aber fragen Sie mit positivem, Interessierten Subtext:

  • „Im Exposé führen Sie 190 € Betriebskosten auf. Kommt man damit mit 3 Personen bei normalem Verbrauch über die Runden?“
  • „Haben Sie einen Erfahrungswert, ob es in der Wohnung im Sommer sehr warm wird, die Fensterfront ist groß und nach Süden ausgerichtet.“

    Beide Fragen zielen auf die Dämmung ab, sind aber proaktiv und lösungsorientiert gestellt.

  • „Ich habe einen Schrank, der ist 2,50 hoch, ein Familienerbstück den ich unbedingt mitnehmen möchte. Denken Sie, ich kann mal kurz die Höhe des Raumes / die Breite der Wand ausmessen?“

Fallen Sie in der Besichtigung aus der Rolle?

Stellen Sie sich während der Besichtigung die Frage, welches Verhalten der Anbieter in dieser Situation von Ihnen erwarten würde und gleichen Sie dieses mit Ihrem Auftreten ab. Beleuchten wir das Fallbeispiel Sammelbesichtigung mit 30 Personen:
Denken Sie, es wirkt sich für Sie sinnvoll aus, wenn Sie den Anbieter unterbrechen, sich zunächst ausgiebig vorstellen und ihm außerdem Ihre Belange zur Wohnungssuche schildern? Machen Sie sich dabei grundsätzlich klar, wie die Besichtigung ablaufen würde, wenn sämtliche anwesende Interessenten es Ihnen gleich tun.
Sammelbesichtigungen, im Interessenten- Sprachgebrauch werden die Termine auch „Massenbesichtigungen“ genannt, sind für Interessenten, wie auch Anbieter, gleichermaßen unangenehm. Anbieter wählen die Besichitgungsform, weil sie die effizienteste Methode darstellt, die (im Regelfall wenigen) ernsthaften Interessenten zügig und kostengünstig auszusieben. Aber die Sammelbesichtigung geht mit hohem Risiko für den Anbieter einher: Ein echter Nörgler oder Verhaltens-Individualist kann den gesamten Termin verderben und sämtliche anwesenden Mietinteressenten gänzlich verprellen.  Sind Sie die Person, die eine solche Situation auslöst,  zerstören Sie nicht nur Ihre Chancen auf diese Wohnung, sondern bleiben dem Anbieter schlimmstenfalls derart im Gedächtnis hängen, dass er Sie auch in künftigen Besichtigungen grundsätzlich nicht mehr eingeladen wird. 

Nicht zu forsch aufTRETEN

Besichtigen Sie eine Eigentumswohnung mit einem Privatvermieter? Bedenken Sie, dass Sie in diesem Moment mitten in der Altersvorsorge des Eigentümers stehen. Viele Privatleute stecken unglaublich viel Liebe in ihre Wohnungen, überlegen sich tagelang, welche Badarmaturen, Fenstergriffe, Steckdosenprogramme oder Böden am besten zur Wohnung passen. Stöckeln Sie mit HighHeels über den gerade neuen Parkettboden, reißen Sie den Fenstergriff auf oder lassen Sie den Toilettendeckel achtlos auf die Schüssel fallen? Dem Eigentümer wird das Herz bluten. Er wird Sie in der Besichtigung hassen.

Nur zur Vollständigkeit: In diesem Fall bekommen Sie die Wohnung nicht.

Bitte nicht stinken! 

Prüfen Sie vor dem Termin, welchen Geruch Sie verströmen. Hier einige No-Gos. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Alkohol oder Gras (schlimmer geht es nicht)
  • Zigaretten / kalter Rauch
  • Schweiß
  • penetrantes Parfüm
  • stark riechender Menthol-Kaugummi
  • usw.


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