Miete richtig verhandeln (3): So drücken Sie den Mietpreis der Immobilie

Jetzt wird’s ernst: Wenn Sie erfolgreich verhandeln wollen, müssen Sie Ihre Erfolgschancen schon vor der Verhandlung richtig einschätzen. Wissen ist Macht, denn mit dem entsprechenden Wissen evaluieren Sie Ihre Verhandlungsposition.

Im letzten Beitrag der Reihe habe ich bereits erwähnt, dass sich Ihre Position an verschiedenen Kriterien orientiert:

Merksatz 1: Kenne den Markt! 

Ist der Preis der Immobilie im Verhältnis zu anderen Angeboten eher teuer oder eher günstig?

Hier sind Mieter und Käufer im Vorteil, die verhältnismäßig viele Besichtigungen gemacht haben. Sie wissen, welche Angebote sich derzeit auf dem Markt befinden. Beachten Sie aber, dass sich der Preis einer Immobilie an verschiedenen Faktoren orientiert (z.B. Lage, Umfeld, Anbindung, Ausstattung, Zustand, Größe, Baujahr, Sanierungsstand, usw.).

Je teuerer der Preis (im Vergleich zu aktuellen Angeboten) ist, umso geringer wird (tendenziell) die Nachfrage. Wenn wenige Mieter interessiert sind, wird der Eigentümer eher auf Ihre Verhandlungsanliegen eingehen und der Makler sich eher um einen Konsens bemühen.

Wenn Sie bei stark frequentierten Immobilien in Verhandlungen einsteigen, katapultieren Sie sich sofort ins Aus.

Merksatz 2: Kennen Sie sich selbst! 

Ich habe schon einmal über die Mietertypen geschrieben. Ausführlicher beleuchte ich das Thema in meinem Ratgeber für Wohnungssuchende. Lernen Sie unbedingt, sich selbst einzuschätzen! Ermitteln Sie Ihren Mieter-Marktwert!

Wenn Ihr Ausfallrisiko gering ist (weil Sie einen guten Job oder/ und Vermögen haben) und der Vermieter Sie als „pflegeleicht“ betrachtet, wird er Sie tendenziell eher „begehren“. Je „begehrter“ Sie sind, umso besser ist Ihre Verhandlungsposition. Erkennen Sie in der Besichtigung, dass der Makler Sie unbedingt vermitteln möchte, oder der Eigentümer sie als Mieter gewinnen will, eröffnet Ihnen dies die Möglichkeit, das ein Zugeständnis „durchzudrücken“. Aber überspannen Sie den Bogen nicht!

Als Käufer sind Sie übrigens genau dann gefragt, wenn Sie über eine starke Cash-Position verfügen (also ohne Finanzierung bezahlen), bzw. wenn erkennbar ist, dass Sie zügig eine Finanzierung bekommen werden. Eigentümer, aber besonders Makler, möchten Geschäfte zügig abwickeln. Je schneller es geht, umso größer (können) die Zugeständnisse werden.
Unterschätzen Sie dennoch den Markt nicht – die Nachfrage läuft gegen Sie!

Merksatz 3: „Lesen“ Sie den Anbieter

Im Gespräch verraten Menschen meistens mehr, als sie zugeben wollen. Wenn die „Chemie“ stimmt und Sie sich mit dem Anbieter länger unterhalten, können Sie wichtige Informationen gewinnen.

Versuchen Sie herauszufinden, wie dringend der Eigentümer einen Mieter finden, bzw. verkaufen muss.

Direkte Fragen helfen hier nicht weiter. Beim Verkauf werden Sie stets die Antwort bekommen: „ich hab’s nicht eilig“. Aber sie könnten ihn zu den Umständen des Verkaufes interviewen.

Bei der Vermietung müssen Sie erfahren, ob der Eigentümer schon „die Schnauze voll“ von der Mietersuche hat oder vielleicht sogar ein Geldproblem bekommt. Oft laufen Finanzierungen gegen die Miete, wenn die Wohnung leer steht, verliert er jeden Monat Geld. Manche Eigentümer interessiert dies weniger, weil die Immobilie nicht belastet ist.

Ein guter Makler ist schwieriger „auszuquetschen“. Deshalb lassen sich clevere Eigentümer von guten Maklern vertreten (zum Beispiel von mir 😉  – in Frankfurt und München zu Ihren Diensten).
Lesen Sie einmal einen Ratgeber über Mikroexpressionen. Weniger geschulte Berufskollegen können Sie über Mimik und Gestik gut einschätzen. Dies zahlt sich aus, wenn Sie in Provisionsverhandlungen (bei Verkäufen) einsteigen.

Alle Signale auf Grün? Das nächste Mal erkläre ich Ihnen, wie und WANN Sie loslegen…

Miete richtig verhandeln (4): Den passenden Zeitpunkt für Verhandlungen wählen

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