WG-Casting erfolgreich bestehen: 5 Schritte zum Zimmer in der Wohngemeinschaft

WG Casting Tipps für den erfolgreichen Termin

WG-Castings haben Hochkonjunktur: Ob Semesterstart oder Ausbildungsbeginn –  wer neu in der Großstadt ankommt und keine teure Wohnung bezahlen möchte, sucht erstmal ein Zimmer in einer bestehenden Wohngemeinschaft. Wegen des hohen Andrangs an mietwilligen potenziellen Mitbewohnern ergeben sich bei der Zimmersuche mitunter skurrile Szenen und eigentümliche Situationen. Im WG-Casting müssen Bewerber teils menschenunwürdige Eintrittsaufgaben meistern. Der heiß begehrte Preis nach dem Auswahlverfahren, das WG-Zimmer, ist gleichzeitig die Eintrittskarte zum „coolen Studenten- bzw. WG-Leben“. Aber lohnt es sich, für diesen Passierschein australische Kotzfrüchte zu essen oder dreckige Toiletten zu reinigen?

Tipps und Tricks für die Wohnungssuche

Ich werde häufig nach einer Blaupause zur erfolgreichen WG-Bewerbung gefragt. Wohngemeinschaften sind individuelle Sozialgebilde. Sie funktionieren nach ihren eigenen, teils sehr speziellen, Regeln. Eine Patentlösung existiert deshalb nicht: Einen „Kuchen mitzubringen“ kann bei der einen Bewerbung funktionieren, bei einer anderen WG kassiert der Anwärter mit der freundlich gemeinten Geste nur ein mitleidiges Lächeln.

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Einige Leitlinien helfen dennoch bei der Vorbereitung auf das WG-Casting. Die fünf Wichtigsten Punkte habe ich folgend zusammengefasst.

1. Eigene Ziele und Grenzen abstecken

Möchte ich die Kotzfrucht wirklich essen? Das sollte sich jeder Bewerber fragen, bevor er an einem WG-Casting teilnimmt. Anders ausgedrückt: Der Bewerber sollte sich im Vorfeld seine eigenen Grenzen abstecken. Es ist NUR EINE WG-BEWERBUNG, es geht nicht ums physische Überleben. Der Auswahlprozess kann jederzeit von beiden Seiten abgebrochen werden. Falls sich der Bewerber einfach umdreht und die Wohnung verlässt, wird er den potenziellen Mitbewohnern vermutlich nie wieder begegnen. Wenn der Anwärter seine eigenen Grenzen im Vorfeld abgesteckt hat, definiert er selbst den Rahmen. Das schafft Sicherheit. Er wirkt von selbst „cooler“, weil er die Situation „im Griff hat“ und sich den neuen Mitbewohnern nicht bedingungslos ausliefert. Wer sich jedoch im Vorfeld vornimmt, die Kotzfrucht auf jeden Fall zu essen, der sollte auch Einsatz zeigen seine Pläne durchziehen.

2. Inserat genau lesen

Hat der Bewerber die eigenen Grenzen und Wünsche definiert, verfügt er gleichzeitig über eine Vorstellung, mit wem er künftig zusammen leben möchte. Wie sollen die idealen Mitbewohner sein? Sucht er eine „Party-die-ganze-Nacht-Clque“, oder doch den ruhigen Lesezirkel? Im Inserat wird häufig schon beim Lesen deutlich, mit welchen „Geistes Kindern“ man es zu tun haben könnte. Wie ist die Anzeige formuliert?

Zwei konstruierte Beispiele:
a) „Hey, wir suchen einen neuen Mitbewohner. Du solltest trinkfest und ausgeflippt sein.“
b) „Für unsere 2er WG suchen wir einen neuen Mitbewohner. Idealerweise weiblich.“
Wird klar, oder? 

3.  Informationen sammeln, die Bewohner spiegeln

Im Casting setzt sich die Informationssuche fort. Beim ersten Hinsehen lässt sich schon eine ganze Menge ablesen. Welcher Kleidungsstil wird getragen? Wie sprechen die Bewohner, wie gehen sie miteinander um? Ist die Wohnung  und das Zimmer sauber, gepflegt? Wie riecht es hier?

Wie auch bei der normalen Wohnungssuche sollte der Bewerber ehrlich zu sich selbst sein. Er wird schnell erkennen, ob er mit diesen Personen die nächsten Monate/ Jahre verbringen möchte. Noch fließender verläuft die Meinungsbildung, wenn die Punkte 1 und 2 beherzigt wurden. Steht der Bewerber gerade vor seinen Traum-Mitbewohnern, kann (und wird) er sie unwillkürlich spiegeln. Ähnlicher Ton, ähnliche Lautstärke des Sprechens, ähnliche Gestik. Da die Interviewer die Wunsch-Mitbewohner des Bewerbers sind/ sein sollten, ist harmoniert vermutlich auch das Outfit von selbst.

4.  Authentisch sein, offenes Auftreten

Ehrlich währt am Längsten. Sich zu verstellen ist bei einem Jobinterview schwierig, aber möglich. Im WG-Casting ist ein Verstellen aber kontraproduktiv. Der Bewerber möchte schließlich in seinem neuen Zuhause entspannen und nicht täglich Spießrouten laufen. Zumal die Mimik und Gestik die wahren Gefühle im Regelfall sowieso nicht verbergen kann.
Ein sympathischer Auftritt ebnet den Weg zum Zimmer: Offen auf die neuen Mitbewohner zugehen, Fragen stellen und sich für sie und das Zimmer ehrlich zu begeistern (Fachjargon: Empathie aufbauen). Authentisch sein gleicht einem guten Flirt. Die gemeinsame Basis findet sich scheinbar von selbst. Aber:  Garantierten Erfolg gibt es nicht.

5. ACHTUNG: Nicht aufgeben!

Wie viele WGs existieren in einer Studentenstadt oder in einer Großstadt wie München, Frankfurt oder Berlin? Hunderte? Tausende? Genug, als dass man auch einige Male auf der Nase fallen kann. Nur wer wieder aufsteht, hat die Chance auf die Traum-WG. Bei Manchem klappt es schon beim ersten Anlauf, andere suchen eben länger.

Übrigens: Auch bei Wohnungs-Profis läuft nicht immer alles rund. Nicht immer gelingt es mir, den Eigentümer von sich zu überzeugen. Den Profi im Wohnungsmarkt definiert, dass er professionell genug ist, eine Niederlage einfach abzustreifen und weiterzumachen.

Viel Glück 😉

Richard Nitzsche ist Immobilienmakler in Frankfurt und MünchenDer Autor: Richard Nitzsche ist Immobilienmakler in Frankfurt und München, Autor des Blogs mietercoach.de und Verfasser  des Ratgebers für Mieter auf Wohnungssuche „Der Mietercoach: Ihre neue Wohnung SUCHEN – FINDEN -BEKOMMEN“ . Er publiziert zudem eine wöchentliche Immobilienmarktkolumne für den Frankfurter Stadtkurier. Schreiben Sie Ihm auf Twitter oder Facebook!