Bestellerprinzip beim Verkauf: Justizministerium prüft Entlastungen für Immobilienkäufer

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Um Mietern den Weg ins Eigenheim zu erleichtern, will Justizministerin Katharina Barley (SPD) die Nebenkosten beim Immobilienkauf senken. Deshalb lässt sie aktuell die Vorteile einer Neuregelung der Maklerprovision prüfen. Mit der Einführung eines sogenannten Bestellerprinzips müssten Käufer beim Haus- und Wohnungskauf keine Maklercourtage mehr bezahlen. Befürworter hoffen auf Preiserleichterungen für Käufer, teils über zehntausende Euro. Gegner befürchten eine weitere Verteuerung der Angebotspreise. Das Bestellerprinzip beim Immobilienkauf ist ursprünglich eine Idee der Sozialdemokraten, die während der Koalitionsverhandlungen auf Eis gelegt wurde. Mit einer Anfrage der Grünen im Bundestag vor einigen Wochen nahm die Diskussion neue Fahrt auf.

Exodus befürchtet: Makler in Panik

Die Einführung eines Bestellerprinzips beim Kauf würde die Umsätze vieler Immobilienmakler torpedieren. Wenig überraschend übt die Maklerbranche scharfe Kritik. „Verkäufer würden die Provision, wenn sie sie zwangsweise immer zahlen müssen, in den Kaufpreis einpreisen“, sagt Jürgen Michael Schick, Vorsitzender des Immobilienverband Deutschland (IVD), der die Makler vertritt.
Dr. Wulff Aengevelt, Geschäftsführer der Aengevelt Immobilien GmbH in München, vergleicht die Überlegungen von Ministerin Barley mit dem „uneinsichtigen“ Zünden weiterer „Nebelkerzen“. Schon die Einführung des Bestellerprinzips bei Wohnungsvermietungen habe das Wohnungsangebot für Mieter nicht erschwinglicher gemacht.
Das Gesetz von 2015 schadete jedoch besonders den Maklern. Die Provisionen für abgeschlossene Vermietungen fielen durchschnittlich um die Hälfte. Zahlreiche Kunden zogen sich gänzlich zurück und übernahmen die Vermietung ihrer Wohnungen in Eigenregie.  Viele Makler mussten ihre Vermietungstätigkeit somit aufgeben und konzentrierten sich fortan vollständig auf Immobilienverkäufe. Diesen Maklerunternehmen droht, nach gemeisterter Vermietungskrise, nun der endgültige Exodus.

Provisionswettbewerb verbilligt Immobilienpreise

Prof. Michael Voigtländer, Immobilienexperte am Institut für Wirtschaft (IW) erwartet mit Einführung des Bestellerprinzips beim Kauf einen Preiswettberwerb in der Maklerbranche, der sich in „echten Entlastungen für Haushalte und Immobilienverkäufer“ auswirken würde. Makler müssten sich zwangsläufig auf geringere Gewinnmargen einstellen, denn „der Käufer kann in Ballungsgebieten nicht über die Maklercourtage verhandeln, der Verkäufer kann das sehr wohl.“

Grüne wollen den einfachen Weg

Für Katrin Göring-Eckhardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen, ist klar: „Wenn man die Nebenkosten in irgendeiner Weise reduzieren will, dann geht man an das Bestellerprinzip bei den Maklergebühren heran. Das ist das Einfachste.“

„Einfach gemacht“ hatte es ich das Justizministerium jedoch auch bei der Einführung des ersten Bestellerprinzips im Juni 2015, ebenfalls unter SPD-Führung von Heiko Maas. Aus einer eigentlich sinnvollen Idee entstand ein Gesetz, das für Mieter den Zugang zum Wohnungsmarkt einschränkt. Seither arbeiten Makler ausschließlich für den Vermieter. Mieter erhalten im Regelfall keinerlei Hilfestellung im Vermietungsvorgang, aus ökonomischen Gründen.  Dies verkompliziert die Wohnungssuche und verbaut insbesondere den Mietern den Marktzugang, die es bei der Wohnungssuche ohnehin schon schwer haben. Ein Teil dieser Interessenten gehört zu direkten Wählerzielgruppe von SPD und Grünen.

Ein echtes Bestellerprinzip oder ein Wechsel im Maklerleitbild?

Wenn die Maklerprovision neu reguliert wird, sollte die Politik deshalb ein Gesetz stricken, das Verkäufern und Käufern gleichermaßen ermöglicht, den Makler zu beauftragen, wenn diese es wirklich wollen. Anderenfalls würde die Politik ein neues Maklerleitbild definieren. Der Makler wäre dann, um es mit den Worten des Maklers Aengevelt auszudrücken, ein „weisungsgebundener Vertriebsknecht“ des Verkäufers.

Der Beitrag erscheint am 28.08.2018 im Mainhattan Kurier. 

Richard Nitzsche ist Immobilienmakler in Frankfurt und München
Richard Nitzsche

 Der Autor:  Richard Nitzsche ist seit 2012 Immobilienmakler in Frankfurt und München, Autor des Blogs http://www.mietercoach.de und Verfasser  des Ratgebers für Mieter auf Wohnungssuche „Der Mietercoach: Ihre neue Wohnung SUCHEN – FINDEN -BEKOMMEN“ . Er publiziert eine wöchentliche Immobilienmarktkolumne für den Mainhattan Kurier und ist regelmäßig als Experte für Immobilienthemen in den Medien präsent. Schreiben Sie Ihm auf Twitter oder Facebook