Wohnungssuche: „Warum ist keine Einbauküche in der Mietwohnung?“

Mietwohnung ohne Einbauküche Vorteile

Mieter auf Wohnungssuche fragen sich häufig, warum Wohnungen zur Miete nicht mit einer Einbauküche ausgestattet sind. „Es macht doch keinen Sinn, Wohnungen ohne Küche zu vermieten.“, meinte ein Interessent neulich zu mir während der Besichtigung einer Mietwohnung, die mit keiner Küche ausgestattet war. Für den Mieter eine logische Frage. Bevor er einzieht, muss er eine Küche kaufen. Selbst eine günstige Einbauküche kostet schnell mehrere tausend Euro. Diese addieren sich dann zu den Umzugskosten: Zu Kaution, zum Transport der Möbel und eventuell zu Renovierungen an der alten und der neuen Wohnung. Diese Kostenbelastung wollen Mieter umgehen. Für Mieter ist die Einbauküche bei der Wohnungssuche häufig ein festes Kriterium, das bei der Wohnungssuche im Immobilienportal direkt selektiert wird. 

Keine Einbauküche in der Ausstattung: Vorteile für den Mieter

Dennoch kann für Mieter Vorteile haben, eine Wohnung ohne Einbauküche zu suchen und zu mieten:

  • geringere Kaltmiete
  • bei langer Mietdauer ist der Kauf einer EBK günstiger
  • Mieter hat Verhandlungsspielraum beim Küchenkauf
  • Mieter bestimmt selbst die Ausstattung und den Preis der EBK
  • Weniger Nachfrage nach Wohnungen ohne Küche

In ausgeglichenen Mietmärkten sind Wohnungsangebote, die mit einer Einbauküche ausgestattet sind, 50 € bis 100 € teurer als Angebote ohne Küche.Beabsichtigen Sie als Mieter, länger als 5 Jahre in der neuen Wohnung zu wohnen? Im Regelfall kalkulieren  Vermieter die Abschreibung der Küche mit 5-10 Jahren. Sparen Sie 50 Euro bei der Kaltmiete und finanzieren Sie die Küche mit einer monatlichen Rate von 50 Euro, schreiben Sie nach 5-7 Jahren in den Reingewinn. Zusätzlich können Sie die Küche mit ein wenig Glück an den nächsten Mieter weiterverkaufen – wenn sie gut gepflegt und in neutralen Farben gehalten ist. Vielleicht kauft sie auch der Eigentümer direkt an, dann zum günstigeren Preis als bei der Anschaffung.
Gleichzeitig können Mieter Ihre Küche selbst und nach Ihren Vorstellungen konfigurieren oder eine bereits existierende Küche mitbringen. Sie bestimmen dabei den Anschaffungspreis der Einbauküche selbst, statt dem Vermieter die Küche scheibchenweise abzukaufen. Den Preis für die Einbauküche können Sie zudem verhandeln wenn Sie die Küche neu kaufen. 

Bessere Chancen bei der Wohnungsvergabe: Mietangebote ohne EBK sind weniger begehrt!
Mietangebote ohne Einbauküchen sind weniger begehrt. Bewerben Sie sich für ein derartiges Angebot, steigt die Wahrscheinlichkeit für Sie als Mieter, den Zuschlag für die Wohnung zu bekommen. Auch hier ist es für Sie vorteilhaft, dass sich keine EBK in der Ausstattung der Wohnung findet. Insbesondere wenn Sie Probleme dabei haben, den Zuschlag für die Wohnung zu erhalten (weil Sie beispielsweise selbständig sind oder zu wenig verdienen), kann es also vorteilhaft für Sie sein, wenn Sie Wohnungsangebote ohne EBK anfragen. Dies beantwortet nun die Frage, wieso es für den Mieter vorteilhaft sein kann, wenn die Mietwohnung nicht mit einer Einbauküche ausgestattet ist.  

Vorteile für den Vermieter bei Vermietung ohne Einbauküche
Und welche Vorteile ergeben sich für den Vermieter, wenn die Wohnung ohne Küche vermietet wird? Vermieter, die wenige Mieterwechsel anstreben, die sich also wünschen, dass ihr neuer Mieter die Wohnung möglichst lange bewohnt, neigen zur Vermietung der Wohnung ohne Küche. Ihre Kalkulation: Ein Mieter, der mehrere tausend Euro für die neue Einbauküche investiert, wird keinen Umzug nach wenigen Jahren anstreben. Vermieter sparen sich zudem die Kosten von Reparaturen am Inventar, also die Instandhaltung. Insbesondere Geschirrspülmaschinen gehen gerne und häufig kaputt. Die Kosten für eine Reparatur des Geschirrspülers stehen häufig in keinem Verhältnis zur Neuanschaffung des Geräts. Zusätzlich Kosten und höheren Aufwand möchte der Eigentümer umgehen. Gerade in angespannten Wohnungsmärkten ist das Unterschied in der Preisbildung mit- oder ohne Einbauküche marginal. Das trifft umso mehr in Regionen zu, in denen die Mietpreisbremse gilt und die Bestandsmiete des Vermieters ohnehin schon mehr als 10 Prozent über der Mietspiegel-Miete lag.
Zugegebenermaßen verschenkt der Vermieter dabei sein steuerliches Abschreibungspotenzial, wenn er Wohnungen nicht mit einer Einbauküche ausstattet. Dieses relativiert sich jedoch, abhängig von der Bestandsmiete und dem Nachfragedruck im Markt. 

Tricks und Fallen zur Einbauküche in Mietwohnungen

Auf folgende Tricks zum Themenkomplex Einbauküche sollten Sie als Mieter auf Wohnungssuche achten:

Küche wird unentgeltlich überlassen
Hier ist die Küche eine Leihgabe, die nicht vermietet wird. Der Vermieter muss keine Reparaturen an Geräten vornehmen, Sie als Mieter müssen jedoch funktionsfähige Küchengeräte am Ende der Mietdauer zurückgeben. 

Küche wird geschenkt
Bei geschenkten Küchen fällt das Inventar in Ihr Eigentum. Das bedeutet aber auch, dass Sie als Mieter bei Ihrem Auszug für die Entsorgung der alten Einbauküche aufkommen und diese organisieren müssen.

Einbauküche wird gegen Abstand verkauft
Gleiches gilt bei Abstandszahlungen für die Kücheneinrichtung. Es handelt sich dann um Ihr Inventar. Achten Sie darauf, dass hier keine weiteren Kosten verschleiert werden, Beispielswiese Maklerkosten werden gerne versteckt durch überhöhte Abstandszahlungen auf den Mieter abgewälzt. Dies ist verboten. Die Abstandszahlung muss in etwa den Wert der Küche widerspiegeln. Auf diesem Wege möchte ich jedem Mieter auf Wohnungssuche empfehlen, eine Rechtschutzversicherung abzuschließen. Die Rechtsschutzversicherung für Mieter der ARAG, meines Affilatepartners, können Sie übrigens auch noch rückwirkend abschließen, wenn Sie diesen Beitrag grade wegen dieses oder ähnlicher mietrechtlicher Probleme mit dem Vermieter lesen. 

ARAG Privat-Rechtsschutz

Küchenkauf gegen Nachmietervorschlag
Häufig knüpfen scheidende Bestandsmieter auf Nachmietersuche die Abstandszahlung für Inventar und Einbauküche an den Nachmietervorschlag, den sie dem Vermieter unterbreiten. Falls Sie sich auf ein derartiges Geschäft einlassen, achten Sie darauf, dass zuerst der Mietvertrag unterschrieben ist, bevor Sie einen Kaufvertrag für Inventar unterschreiben. Beide Rechtsgeschäfte stehen unabhängig voneinander. Sie haben keinen Anspruch, vom Vermieter tatsächlich den Zuschlag für die Wohnung zu erhalten, nur, weil Sie dem Bestandsmieter eine Einbauküche abkaufen. 

Richard Nitzsche: Makler und Autor von Mietercoach.de
Autor: Richard Nitzsche (M.Sc.) ist Immobilienmakler in Frankfurt und Autor des Ratgebers „Der Mietercoach“