Bestellerprinzip: Immobilienmakler kommen mit einem blauen Auge davon! – Immobiliennews der KW34

Bestellerprinzip beim Immobilienkauf: Koalition hat sich geeinigt

Das Bestellerprinzip beim Immobilienkauf ist offensichtlich beschlossen. Die Tageszeitung „Die Welt“ meldet am Sonntag, der Koalitionsausschuss habe sich auf Änderungen im Maklerrecht geeinigt. Das von der SPD angestrebte Bestellerprinzip für Immobilienmakler werde nun im Rahmen eines Kompromisses umgesetzt. Künftig dürfen lediglich 50 Prozent der Maklerprovision auf den Käufer der Immobilie umgelegt werden. 

Wohnungssuche und Mietenwahnsinn: Experte Richard Nitzsche zugeschaltet von der Frankfurter Börse
Eine erste Einordnung zum neuen Bestellerprinzip von     Richard Nitzsche

Mit einer echten Verschärfung des Wettbewerbs und einer  Entlastung der von Immobilienkäufern, die mit der von den Sozialdemokraten ursprünglich angestrebten Regelung einhergegangen wäre, ist nach diesen Informationen nicht zu rechnen. Abhängig von der Ausgestaltung des Gesetzes, könnte sogar eine bundesweite Erhöhung der Maklerprovisionen auf das Berliner Spitzenlevel (7,14% / 3,57% inkl. MwSt. auf jeder Seite) denkbar werden. Der Verkäuferanteil der Provision wird vermutlich im Angebotspreis der Immobilie eingepreist.
Nach der Einigung auf diese Kompromisslösung können Immobilienmakler nun aufatmen: Eine analoge Regelung existiert als Branchenusance bereits heute in zahlreichen Bundesländern, beispielsweise in Bayern.

Die Union hatte eine vollständige Einführung des Bestellerprinzips, vergleichbar zur 2015 eingeführten Lösung bei den Wohnungsmieten, zuvor blockiert. Die gesetzliche Einführung der Provisionsteilung wurde durch führende Maklerunternehmen angestrebt. Für die Entwicklung der in ihren Prozessen Wohnungssuche: Tipps und Hilfen für die Traumwohnungveralteten Maklerbranche stellt die Einigung eher einen Rückschritt dar. Nutznießer könnten eher größere Maklerhäuser sein, die den zu erwartenden Umsatzverlust mit höherer Marketingreichweite kompensieren sollten. Probleme könnten auf Immobilienstartups zukommen, die sich mit Venture-Capital finanzieren. Eine zwangsläufig sinkende Beauftragungshäufigkeit,  Umstellungen der Marketingansätze, wie auch schwindende Margen können im renditeorientierten Finanzierungskonstrukt zu Problemen führen. 

Zudem habe die Koalition eine Verschärfung der Mietpreisbremse und deren Verlängerung bis 2025 beschlossen. Die Grünen kritisieren die Entwicklung, die Neuerungen seien „wenig wirksam“.

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Bildquelle: fotolila.com, Urheber: Eisenhans